Mannheim

Religion Jüdische Gemeinde hat neuen Vorstand gewählt

Althausen folgt auf Koshlessan

Archivartikel

Die Jüdische Gemeinde bekommt eine neue Vorsitzende: Rita Althausen. Die 64-jährige pensionierte Lehrerin, früher am Elisabeth-Gymnasium tätig, gilt als Vertreterin eines liberalen Kurses. Sie setzte sich in einer Kampfabstimmung klar gegen Susanne Benizri-Wedde durch, langjährige Erziehungsreferentin der Israelischen Religionsgemeinschaft Baden.

Rita Althausen ist Tochter des 1919 in Lampertheim geborenen, 2001 verstorbenen Oskar Althausen, der durch die Flucht aus dem Lager Gurs 1944 der Ermordung durch die Nationalsozialisten entging und sich danach sehr große Verdienste um den Wiederaufbau der Jüdischen Gemeinde in Mannheim, aber auch um Erinnerung und Versöhnung erwarb. Schon lange ist sie stark in der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Rhein-Neckar sowie in der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit engagiert.

Rita Althausen wird ihr Amt am 1. Juli antreten. Vorher wollte sie zu ihren Plänen nicht ausführlich Stellung nehmen. Sie folgt auf Majid Khoshlessan, der nach zwei Jahren nicht mehr kandidierte. Auch der Ingenieur, bis 2010 Geschäftsführer der Mannheimer Gesellschaft für Wohnungs- und Städtebau, stand stets für den engen Dialog mit Christen und Muslimen.

Integration der Einwanderer

Stellvertreterin ist unverändert Sophia Engelhardt. Zudem gehören dem Vorstand weiter Marlis Studniberg und, neu gewählt, Esther Graf und Konstiantyn Krasnopolskiy an. Susanne Benizri-Wedde und Jasmin Fritsch schieden aus. Rita Althausen und Sophia Engelhardt vertreten die rund 480 Mitglieder zählende Mannheimer Gemeinde auch beim Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft in Baden.

Herzstück der Jüdischen Gemeinde ist seit mehr als 30 Jahren die Synagoge in F 3 mit Jugendzentrum, Sportraum und zahlreichen kulturellen Veranstaltungen. Die Gemeinde kümmert sich zudem intensiv um die Integration von Einwanderern aus der früheren Sowjetunion, zum Beispiel mit Deutschkursen und Sozialsprechstunden. Auch den jüdischen Friedhof verwaltet die Gemeinde selbst. Als gesellschaftlicher Höhepunkt des Jahres gilt der Frühlingsball. Die Gemeinde hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend geöffnet und pflegt enge Kontakte mit den anderen abrahamitischen Religionen.