Mannheim

Neubau-Variante II Auch das Gewerkschaftshaus müsste weichen

Am Collini-Center ist es zu eng

Archivartikel

Noch im April gab es Stimmen aus dem Gemeinderat, die eine schnelle Festlegung auf die mögliche Generalsanierung kritisierten. Man müsse „auch andere Wege beleuchten“, dürfe die Sanierung nicht als „alternativlos“ bezeichnen, hieß es da. Diese Stimmen sind verstummt.

Dahinter stand eine Idee. Nicht vom – 2012 ja untersuchten – Neubau im Unteren Luisenpark, sondern im Bereich Collini-Center. Der dortige kleinere Turm, derzeit Standort der technischen Ämter der Stadt, ist marode, muss abgerissen werden. Daher entsteht auf dem Lindenhof im Glücksteinquartier ein neues Technisches Rathaus. Nach dem Abriss in der Collini-Straße ein neues Theater zwischen Wohnturm (der ja intakt ist und stehenbleibt) und Gewerkschaftshaus – das war die Idee. Manch einer dachte gar schon an eine Art Elbphilharmonie, an ein spektakuläres Kulturgebäude direkt mit Blick zum Neckar, vielleicht gar hinausragend auf das Neckarufer.

Mehr Abstand zum Wohnturm

Kurzfristig hat die Stadtverwaltung auch das geprüft. „Das ergab schnell keinen sinnvollen Ansatz, sich damit weiter auseinanderzusetzen“, so Baubürgermeister Lothar Quast. Schnell stellte sich nämlich heraus, dass der Platz nicht reicht. Für einen Neubau greifen neue Vorschriften. Die verlangen einen deutlich höheren Abstand zum Wohnturm des Collini-Centers als jetzt: mindestens 19 Meter. Und sie verlangen mehr Platz aus Gründen des Arbeitsschutzes. Einen mit dem heutigen Theater vergleichbaren Neubau an dieser Stelle unterzubringen – das würde bedeuten, das heutige Gewerkschaftshaus abzureißen und zu übebauen. Und selbst das würde nicht reichen: Der Bau würde über die Gleise der OEG/Linie 5 hinweg bis an den Spielplatz Hans-Böckler-Platz reichen.

Doch nicht nur deshalb sei „das Grundstück generell ungeeignet“, so Quast. Wer mit einem Neubau an dieser Stelle liebäugelte, wollte ja eine Verbindung von Theater, Wohnungen, Hotels, Büros – wie bei der Elbphilharmonie. „Das würde bedeuten, dass man die Säle für Oper und Schauspiel übereinanderstapeln muss, das ist von der ganzen Erschließung für das Publikum höchst problematisch“, fürchtet Quast.

Zudem sei „ein Neubau zeitlich nicht umsetzbar“. Alleine für das Bebauungsplanverfahren müsse man eineinhalb Jahre mindestens kalkulieren – denn bei dem Grundstück bedeute ein Theaterneubau eine Nutzungsänderung, anders als etwa beim Kunsthallenneubau. Für einen Architektenwettbewerb müsse man ebenfalls eineinhalb Jahre rechnen, weitere zwei bis zweieinhalb Jahre für die Erarbeitung der endgültigen Pläne und der Baugenehmigung sowie über vier Jahre für Ausschreibung und Bau. Ohnehin kann das neue Technische Rathaus erst ab 2021 bezogen werden. Ehe dann ein Abriss erfolgt ist, ein Neubau steht, dauert es viel zu lange. Hinzu komme auch im Fall Collini-Center: „Wir müssten das alte Gebäude sanieren und irgendwie weiterbetreiben, habe selbst bei einem Leerstand „enorme Kosten der Verkehrssicherungspflicht, da der Gebäudeeigentümer eine denkmalgeschützte Immobilie gesetzlich nicht verfallen lassen darf“, sagt Quast.

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