Mannheim

Feudenheim Deutscher und südafrikanischer Chor führt Musical in der Epiphanias-Kirche auf

„Amandla“ – eine poetische Kulturreise

Dass sich Singgemeinschaften für ein Projekt zusammenschließen, ist nichts Ungewöhnliches – hingegen dürfte einmalig sein, dass zwei Chöre über 10 000 Kilometer hinweg gemeinsam ein Musical erarbeiten. Das bedarf reichlich „Amandla“, wie Kraft oder Macht in der Zulu-Sprache heißt. Genau darum geht es bei einer musikalischen Reise durch die Geschichte und Kultur Südafrikas heute in der Feudenheimer Epiphanias Kirche.

Alle drei Jahre reisen in der Metropolregion lebende Mitglieder des Afrika-Chors „Imbongi“ (was Geschichtenerzähler bedeutet) dorthin, wo die Lieder ihres Repertoires herkommen. 2017 ist die singbegeisterte Gruppe eine Woche lang von Bhekani Buthelezi, dem Leiter des mehrfach preisgekrönten Chors der Universität Zululand, begleitet worden. Als der 36-Jährige vorschlug, gemeinsam ein Musical auf die Bühne zu bringen, waren alle begeistert.

Das Leben in Südafrika

Und wie ging das Ganze bei der Riesenentfernung vor sich? „Bhekani konzipierte das Musical, ich habe entsprechend Texte geschrieben – und im Januar haben wir hier mit ihm zwei Wochen geprobt“, schildert Chormitbegründerin Annette Lennartz, die sich als Journalistin sozusagen von Berufs wegen aufs Formulieren versteht.

Für das Musical, das von einer in Deutschland aufgewachsenen Südafrikanerin und dem Kennenlernen ihres Heimatlandes erzählt, hat der Leiter des „UniZulu Choir“ traditionelle Songs musikalisch bearbeitet. Und die erzählen vom Leben in Dörfern und Townships, auf Feldern und in Goldminen, aber auch vom langen Freiheitskampf. 14 Mitglieder, darunter auch ein Tanzlehrer und Pianist des erfolgreichen Universitäts-Ensembles hat „Imbongi“ eingeladen und für alle ein Familienquartier organisiert. „Es geht auch darum, uns besser kennenzulernen“, betont Annette Lennartz. Dass so weit entfernt lebende Menschen die Lieder seiner Heimat singen, erwärme sein Herz, schwärmt Bhekani Buthelezi, der sich seinerseits für deutsche Musik begeistert – für Volkslieder genauso wie Mozarts Zauberflöte. Dass es hier Chöre gibt, die bewegungslos auf der Bühne stehen und vom Notenblatt singen, hat ihn ziemlich verblüfft. Für ihn ist es selbstverständlich, beim Singen zu tanzen, zu trommeln, Emotionen zu zeigen. Auch so manch anderes erstaunte ihn, verrät er im Gespräch – beispielsweise der Toaster seiner Gastfamilie.

„Imbongi“ und die „Uni-Zulu-Company“ , die bis Ende Juli mehrfach auftreten (beispielsweise in Stuttgart), nehmen nicht nur auf eine poetische „Amandla“-Reise durch Südafrika mit, sie würdigen auch den Freiheitskämpfer Nelson Mandela anlässlich seines 100. Geburtstages mit Songs, Texten und Bildern. wam