Mannheim

Marchivum Bürger sollen Erinnerungen und Souvenirs zu Ausstellung über das sommerlange Fest von 1975 und die damalige Aufbruchstimmung beisteuern

Andenken an die Bundesgartenschau gesucht

Archivartikel

Es gab ihn als Aufkleber, Schlüsselanhänger, Spardose, auf Vasen, Gläsern, Postkarten – den „Jäger aus Kurpfalz“, lachend auf einem Gewehr reitend und von Loriot mit typischer Knollennase gezeichnet. Solche und ähnliche Andenken sucht das Marchivum für eine Ausstellung über die Bundesgartenschau 1975. Drei Tage lang sammeln die Ausstellungsmacher in der Multihalle, dann nehmen sie weitere Exponate im Marchivum entgegen.

Drei Tage sind ab heute die „Multihalle-Bürgertage“ angesetzt, bei denen die Mannheimer jeweils ab 17.30 Uhr Ideen zur künftigen Nutzung des Herzogenriedparks und der Multihalle einbringen können. Bei der Gelegenheit wollen die Marchivum-Experten auch Souvenirs, Fotos, Filme sammeln – und nach persönlichen Erinnerungen fragen. Die Ausstellung soll vom 23. März bis Ende Juni nächsten Jahres im Marchivum im Ochsenpferchbunker laufen. Sie ist nicht allein als Rückblick gedacht, sondern wird auch den Blick in die Zukunft richten – zu Nutzungskonzepten für die Multihalle wie auch zur für 2023 geplanten erneuten Bundesgartenschau. Daher arbeitet das Marchivum mit der Beauftragten für Baukultur im Baudezernat sowie dem Südwestdeutschen Archiv für Architektur und Ingenieurbau (SAAI) zusammen.

Pläne für die Multihalle

Nicht ohne Grund trug das Buch mit der Bilanz der Bundesgartenschau, die vom 18. April bis 19. Oktober 1975 über acht Millionen Besucher anzog, den Titel „Ein Fest verändert eine Stadt“ – denn es war mehr als eine sommerlange Blumenschau. Erste Rosengarten-Erweiterung, Fernmeldeturm, Herzogenried-Wohnbebauung, Collini-Center, Neckarufer-Nordbebauung und die Umwandlung der Planken zur Fußgängerzone waren Meilensteine der Stadtentwicklung, die mit diesem Datum eng zusammenhängen. Auch der Aerobus, wenngleich er keine Zukunft hatte, zählt dazu. „Die Bundesgartenschau 1975 wurde nie als solitäre Veranstaltung, sondern schon in der Planungsphase als Chance zu einem städtebaulichen Aufbruch und einer nachhaltigen Erneuerung Mannheims genutzt“, so Andreas Schenk vom Marchivum in seinem Ausstellungskonzept.

Die damalige Aufbruchstimmung Mannheims – die will er darstellen. Die Gartenschau 1975 sei „ein Ereignis, das für die Stadt und Bürgergesellschaft bis heute identitätsstiftenden Charakter hat“, so Schenk. Daher sei eine solche Ausstellung „ohne die Erinnerungen der Mannheimer nicht denkbar“, er wolle, dass „die Mannheimer die Ausstellung mit ihren Erinnerungen mitgestalten“.

Ein weiterer Teil der Ausstellung widmet sich mit Plänen, Fotos und Modellen der Multihalle als Veranstaltungsort und viel beachtete Attraktion der Bundesgartenschau, aber auch als größte freitragende Hallenkonstruktion mit Strahlkraft über Mannheim hinaus, die Architekturgeschichte geschrieben hat. Konzepte und Ideen für die 2023 erneut geplante Bundesgartenschau sollen dann im nächsten März ebenso vorgestellt werden.