Mannheim

"Erkennen Sie Mannheim?" (Folge 125) Gesucht war das Polizeipräsidium, in dem manche nicht nur beim Tag der offenen Tür zu Gast waren

Anrücken zum "Strafunterricht"

Archivartikel

Nein, es gibt keine Gesetze über den Schwierigkeitsgrad von Rätseln. Aber im Nachhinein betrachtet war Folge 125 von "Erkennen Sie Mannheim?" leichter als die Polizei erlaubt. Jede Menge richtige Einsendungen erreichten die Redaktion, gesucht war das Polizeipräsidium in L 6. Viele verbinden Erinnerungen mit dem Jugendstilgebäude - unter anderem, weil sich dort früher auch Meldebehörde und Kfz-Zulassungsstelle befanden.

Wobei: Manche hatten auch wegen einer Verfehlung - wenn auch nur einer kleinen - dort anrücken müssen. Wie Fritz Ebert aus der Gartenstadt. Er sei in den 50er Jahren mal zu einem Verkehrsunterricht verdonnert worden, schreibt er. "Weil ich erwischt wurde, als ich mit dem Fahrrad verkehrswidrig auf der Straße fuhr, obwohl seitlich ein Fahrradweg vorhanden war."

Kirsten Jakob lag ebenfalls richtig mit der Lösung "Polizeipräsidium". "Außer dass ich mal den Verlust eines Geldbeutels melden musste, habe ich dort Gott sei dank noch nie etwas zu tun gehabt."

"Aufgenommen von L 5 über das heute bebaute Quadrat L 7", erklärt Klaus Pillmeier die Perspektive des Fotos, das viele Leser - wegen der Autos - auf die frühen 70er Jahre datieren. Auf der Freifläche, so schreibt Steffen Becker, befinde sich jetzt ein Erweiterungsbau der Universität - dessen rundliche Fassade ist auf dem aktuellen Foto zu sehen.

Ursprünglich mit Zwiebeltürmen

Gemeinsam mit anderen Lesern erinnert Becker an die Geschichte des heutigen Polizeipräsidiums. Am 1. Oktober 1903 sei es fertiggestellt worden. In dem Haus war damals neben dem Präsidium auch das Badische Bezirksamt untergebracht. "Heute nicht mehr erhalten sind die beiden ursprünglichen zwiebelturmartigen Dächer der charakteristischen achteckigen Ecktürme und der Schmuckgiebel mit der kupfernen Figur der ,Badenia' ", erklärt Becker. Das Bezirksamt wurde durch den Stadtkreis abgelöst. Ab 1938 wurde das Gebäude nur noch von der Polizei genutzt, während der Nazizeit war es Zentrale der Gestapo.

Lutz Winnemann erinnert daran, dass man in den 60er Jahren die oberste Etage zusätzlich auf das Gebäude gesetzt habe. Er weiß noch, wie er als Bub bei einem Tag der offenen Tür das Präsidium von innen sehen konnte. "Ich stand oben im Turmzimmer neben vielen runden Pulten mit etlichen schwarzen Telefonen. Hier waren der Notruf 110 und die Leistelle für die Streifenwagen. Überall blinkten Knöpfchen, und es war ein emsiges Telefonieren und Sprechen der Polizeibeamten."

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren in dem Gebäude auch Meldebehörde und Kfz-Zulassungsstelle untergebracht. Viele Leser wissen noch, wie sie dort ihren ersten Personalausweis beantragt haben. Manfred Hexamer verirrte sich bei diesem Besuch als 16-Jähriger hoffnungslos in den Fluren. "Bis mir der Pfeife rauchende Kriminaldirektor Oskar Riester über den Weg lief." Und dem jungen Mann half.

Auch Merlinde Hörnig erkannte das Gebäude sofort. Ihr Onkel Otto Merkel sei nach dem Zweiten Weltkrieg Polizeipräsident gewesen, schreibt sie. Bei Volker Dressler, dem langjährigen Polizeisprecher, ruft das Foto des Präsidiums schöne Erinnerungen hervor: "31 Berufsjahre war es für mich interessanter und abwechslungsreicher Arbeitsplatz."