Mannheim

Der neue Gemeinderat Der 69-jährige Ulrich Lehnert von der AfD will bei Gesundheitsthemen und im Finanzbereich mitreden

Arzt mit politischer Passion

„Als Arzt bin ich 30 Jahre Einzelkämpfer gewesen – mit wöchentlich um die 60 Stunden“. Der promovierte Allgemeinmediziner Ulrich Lehnert, der vor eineinhalb Jahren seine Praxis aufgegeben hat, fühlt sich für arbeitsintensive Herausforderungen eines Kommunalpolitikers gerüstet. Als einer von vier AfD-Stadträten zieht der 69-Jährige in den Gemeinderat ein.

Im Gespräch mit dem „MM“ im Gasthaus „Maruba“ betont der gebürtige Gelsenkirchener mit Blick auf den Neckar: „Ich fühle mich als Mannheimer.“ Ulrich Lehnert erzählt von seiner Kindheit in der zerstörten Quadratestadt – „ich habe damals in Ruinen und Bombentrichtern gespielt“. Weil er nicht nur den Wiederaufstieg, sondern auch „die Rückwärtsentwicklung“ der Kurpfalzmetropole miterlebt habe, wolle er sich „politisch einbringen“.

2013 trat der seinerzeit noch beruflich aktive Arzt – er hatte vor seinem Medizinstudium eine Ausbildung als Elektroniker absolviert – in die gerade gegründete „Alternative für Deutschland“ ein. „Das Leitbild einer direkten Demokratie“ habe ihn beeindruckt. Eine Partei, sagt er, müsse, „Identität“ schaffen: „Schließlich wollen wir auf das Eigene stolz sein können“. Bereitet ihm der rechte Flügel Probleme? „Hier in Baden-Württemberg ist die AfD eher moderat“, argumentiert Ulrich Lehnert. Nach einer kleinen Pause erklärt er, nicht mit allem, was Rechtspopulisten behaupten, einverstanden zu sein – beispielsweise dem Leugnen des Holocaust. „Zu sagen, es habe keine Konzentrationslager gegeben – das geht natürlich nicht.“

Über seine drei Jahrzehnte als niedergelassener Arzt an der „Behandlungsfront“ auf der Schönau erzählt Lehnert wenig. Er kündigt dafür an, seinen medizinischen Sachverstand in gemeinderätliche Gesundheitsausschüsse einbringen zu wollen. Interesse signalisiert er an einer Entsendung in den Aufsichtsrat des Uniklinikums. „Mannheim ist mit seinen Krankenhäusern gut aufgestellt“, diagnostiziert Lehnert. Gleichwohl gelte es die Zukunft des Klinikums zu sichern. Als eine Möglichkeit sieht er das Stärken angewandter Forschung in der Medizin wie Medizintechnik. „Das schafft für die ganze Stadt Arbeitsplätze.“

Fordert Geld für sozialen Bau

Ulrich Lehnert – Vater von zwei erwachsenen Kinder – möchte in der Kommunalpolitik nicht nur sein Gesundheitswissen einsetzen, er will auch bei Finanzfragen mitreden: „Ich interessiere mich für Geldtheorien und Geldschöpfung.“ Für ihn steht fest, dass „Mannheim über seine Verhältnisse lebt“. Lehnerts Credo lautet: „Für Schuldenabbau endlich mit dem Sparen beginnen.“

Als Feudenheimer Bezirksbeirat, der 2014 für die AfD in das Stadtteilparlament eingezogen ist, kennt er sich mit kommunalpolitischen Aufregerthemen aus – vor allem im Mannheimer Osten. „Ich bin nicht gegen die B 38 – aber gegen den geplanten Umfang“, greift er eine der kontrovers geführten Debatten heraus. Und beim Fahrradweg durch die Au lehne er eine „teure Lösung“ ab. Statt kostspieliger Großprojekte –laut AfD etwa die Bundesgartenschau – zu finanzieren, plädiert der 69-Jährige dafür, Geld in sozialen Wohnungsbau zu investieren, und die Mietpreisbindung „auf 30 Jahre“ festzuzurren.

Der Arzt im Ruhestand, der bei der Kommunalwahl auf dem dritten Platz der AfD-Liste für seine Partei die zweitmeisten Stimmen geholt hat, ist davon überzeugt, dass ihm nun eine „spannende Zeit“ bevorsteht.

Info: Dossier unter morgenweb.de/kommunalwahl