Mannheim

Serie „Selbst gemacht“ Miriam Disson fertigt Schmuckstücke im Wohnzimmer / Goldschmiedin mag den schlichten Stil

Atelier zwischen Büchern und Spielzeug

Archivartikel

Es ist Miriam Disson anzumerken, wie sehr sie sich für ihre Arbeit als Goldschmiedin begeistert, während sie verschiedene Edelsteine, Ringe und Ketten zeigt. Mitten in ihrem Wohnzimmer in einer kleinen Wohnung in Ludwigshafen, zwischen Kinderspielzeugen, Büchern und CDs, befindet sich ihre Werkstatt. Die hat sie sich eingerichtet, um weiterhin als Goldschmiedin tätig sein zu können, nachdem sie Mutter wurde. Hier fertigt sie Schmuckstücke für Freunde und Familie an, probiert neue Sachen aus und ist damit eine ideale Kandidatin für unsere Serie „Selbst gemacht“, in der wir kreative Menschen vorstellen.

Zum Beruf der Goldschmiedin kam Miriam Disson, als sie während ihres Studiums ein Urlaubssemester einlegte. Im Ausland, in Costa Rica, lernte sie das Kunsthandwerk kennen. Dort fertigte sie nach der Makramee-Technik geknüpfte Armbänder. „Ich habe gespürt, dass ich etwas mit meinen Händen machen muss“, erklärt die 32-Jährige.

Inspiriert von Paul Klee

Damals erinnerte sie sich auch, dass sie sich bereits als Kind für Schmuck interessierte und ihn gerne selbst herstellte. „Schon als Teenager habe ich nie Modeschmuck getragen, sondern Freude an Schmuck aus Edelmetallen gehabt“, berichtet Disson. Nach ihrem Auslandsaufenthalt begann sie schließlich die Ausbildung in einer Goldschmiedeschule in Pforzheim, die sie bei einem Goldschmiedemeister und Schmuckdesigner in Neuleiningen bei Bad Dürkheim abschloss.

Ihre eigene Goldschmiedewerkstatt hat sie über das Internet erstanden, einen Teil hatte sie schon als Grundausrüstung von der Ausbildung. Dadurch kann sie nun unabhängig und wann sie möchte in ihrem Wohnzimmer Schmuck kreieren. Das ist auch zu sehen. Aus allen möglichen Schachteln und Schubladen holt sie fertige oder unfertige Stücke heraus.

Dissons Stil ist klar und schlicht. Linien stehen im Vordergrund, die auch in der Kunst eine wichtige Rolle spielen. Miriam Disson beschreibt die Linie, im Vergleich zu den Gestaltungselementen Punkt und Fläche, als „ästhetisch in ihrer Einfachheit“. So sehen auch drei kleine Fische aus Silber aus, die sie als Anhänger für eine Kette gefertigt hat. Sie sind höchstens einen halben Zentimeter lang, liegen leicht in der Hand und sehen aus, als wären sie aus einem großen Stück Silber geschnitten. Sie sind sehr fein, das sieht man an den kleinen Details wie den Schuppen. Jeder der drei Fische sieht ein bisschen anders aus, doch in ihrem Erscheinungsbild sind sie sich ähnlich. Vorbild hierfür waren Fischzeichnungen des Malers Paul Klee. Miriam Disson ließ sich für ihre Fische von seiner Linienführung und seinen „klaren Arbeiten“ inspirieren. „Mir gefallen seine Linien und Farben. Seine Bilder sind nicht so überladen“, sagt sie.

Besonders fasziniert ist sie von kinetischem Schmuck. Sie zeigt eine rote Kugel, die sich, locker an einem Ring befestigt, drehen lässt. Die Ringträgerin kann dadurch mit der Kugel am Finger spielen und sie bewegen. Miriam Disson erklärt, dass sich die Linie eines Rings und somit auch sein Erscheinungsbild durch Bewegung völlig verändern kann. Einmal beispielsweise durch die Gestik eines Ringträgers, aber auch durch verschiedene Perspektiven des Betrachters.

An ihrem Beruf gefallen ihr verschiedene Aspekte. „Der Goldschmied arbeitet heute noch genauso wie früher. Das Meiste wird per Hand gemacht.“ In ihrem Wohnzimmer legiert Miriam Disson ihr Metall, walzt Draht, lötet ihn zusammen und poliert und versäubert ihn. Genauso wie einst die Goldschmiede vor langer Zeit.

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