Mannheim

Auf Gott vertrauen

Archivartikel

Ein fast 90-jähriger Benediktiner-Pater hat mich sehr beeindruckt, als er einer kleinen Gruppe zunächst eine Frage stellt: „Von was lassen Sie sich leiten? Von Ehrfurcht, von Furcht oder von Angst?“ Er erläutert: „Wenn Sie sich Zeit nehmen und abends in den dunklen Sternenhimmel schauen und über das Universum nachdenken, die unzähligen Sterne sehen, wissend, dass sich alles permanent verändert, und wenn Sie über Ihren Platz in Himmel und Erde nachdenken, dann kann bei Ihnen ein Gefühl der Ehrfurcht entstehen. Ob Sie Christ sind oder nicht, dann staunen Sie ehrfürchtig. Wenn Sie weiter darüber nachdenken, dass alles einmal vorbei sein kann, überkommt Sie leicht Furcht. Wenn Sie sich vor Krankheit fürchten, gehen Sie zum Arzt. Kann er Ihnen nicht helfen, werden Sie möglicherweise Angst vor dem Tod bekommen. Wer Furcht vor dem Tod hat, wird vieles tun, um nicht zu sterben. Wer sich vor dem Alter fürchtet, wird vieles tun, um jung zu bleiben – Sportstudio, gesundes Essen, was auch immer das sein mag. Insbesondere das Altern und Sterben wird ein angstgeplagter Mensch verdrängen. Devise: Einfach nicht über die Ängste reden, schon kommen sie nicht vor!“

Viele Menschen lassen sich von diesen Urängsten leiten. Und häufig ist das Leitmotiv: nicht darüber nachdenken, vielmehr gesundbleiben und leben! Selbst im hohen Alter wünscht man sich Gesundheit. Was hilft es aber? Jeder weiß doch: Wer lange lebt, wird alt und muss Krankheiten ertragen. Er wird mit immer mehr Einschränkungen leben müssen. Alles ist doch schließlich im Fluss; es kann nichts festgehalten werden. Mal langsam und unmerklich wie meist in der Natur, mal schnell und bedrohlich wie bei Katastrophen.

Veränderung gehört zum Leben

„Was leitet nun aber Sie?“, wiederholt der Benediktiner-Pater. „Ehrfurcht vor der Schöpfung, Furcht vor Veränderung oder gar Angst? Wer akzeptiert, dass Veränderung zum Leben gehört, hat weniger Angst. Gleichzeitig hat er weniger Furcht, etwas zu verlieren. Solche Menschen sehen sich als Teil der Schöpfung und wissen, dass schon zu allen Zeiten das Universum und alles hier auf Erden und auch sie selbst jeden Tag der Veränderung unterliegen. Außerdem: An der Veränderung wirken sie selbst durch ihr Tun mit. Wir Christen haben durch die Überlieferung in der Heiligen Schrift und durch Jesus erfahren, dass die Veränderung auch über den Tod hinausreicht. Uns wurde das Ewige Leben bei Gott zugesagt. Dies gilt auch, obwohl wir nicht wissen, wie genau das sein wird. Wer sich auf diese Zusage verlässt, wer diesen Worten glaubt – ein besseres Wort ist, wer diesen Worten vertraut – hat weniger Ängste. Wer die Veränderung akzeptiert, weil sie unabänderlich ist, der lebt leichter. Deshalb“ so der Pater weiter, „können Menschen, der Gottes-Botschaft vertrauen und gleichzeitig leichter leben. So ist das Apostolische Glaubensbekenntnis auch ein Vertrauensbekenntnis.“

Der alte Herr empfehlt uns das Wort „glauben“ durch „vertrauen“ zu ersetzen und den Text dann auf sich wirken zu lassen: Ich vertraue auf Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Ich vertraue auf Jesus Christus. Ich vertraue auf den Heiligen Geist. Ich vertraue auf die Auferstehung der Toten und ich vertraue auf das Ewige Leben. Amen.

Bernhard Carl, Diakon mit Zivilberuf in der Katholischen Seelsorgeeinheit Schwetzingen

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