Mannheim

Geschichte Buch über Ordensschwester Theodolinde im Marchivum-Saal präsentiert / Am Glauben festgehalten und Widerstand geleistet

„Aufforderung, rechtzeitig Zivilcourage zu zeigen“

Archivartikel

„Aus der KZ-Hölle in den Einsatz für Christus und Menschenrechte “ – Reiner Albert, Rembert Boese und Veronika Drop haben ihr Buch der aus Heppenheim stammenden und lange in Mannheim lebenden Ordensfrau Schwester Theodolinde gewidmet.

Die Recherchen der drei Herausgeber wie Autoren münden in der Botschaft: Die einstige Seelsorgehelferin ist nicht nur im Glauben, sondern auch in ihrer Weltanschauung standhaft geblieben – und hat verdient, auch als „politische Widerstandkämpferin“ gewürdigt zu werden. Von „einer Biografie, die anderen Mut macht“, spricht Stadtarchivdirektor Ulrich Nieß, als das bebilderte 126-Seiten-Buch im Marchivum-Saal präsentiert wird. Aus unterschiedlichen Perspektiven eröffnen die Beiträge „Zugänge zu Leben und Werk“ der ungewöhnlichen Christin, die im April hundert Jahre alt geworden wäre. Lange zählte die Ordensschwester „zum namenlosen Heer jener Nazi-Opfer, die aus Gewissensgründen ein unvorstellbare Martyrium auf sich nehmen mussten“, kommentiert Reiner Albert, Historiker an der Uni Mannheim.

50 Jahre sollte es dauern, ehe Katarina Katzenmaier, die als Benediktinerin Theodolinde hieß, ihre tief eingegrabenen Erinnerungen niederschrieb. Wie sie bei der Gestapo das Töten behinderter Menschen als Mord bezeichnete, davon nicht abrückte und deshalb ins Frauenlager Ravensbrück deportiert wurde; was sie dort dazu brachte, sich nach dem Tod zu sehnen; warum Edith, ein jüdisches Mädchen aus Mannheim, mit gerade mal neun Jahren in der Siemenshalle von einer Stanzmaschine getötet wurde; wie der Todesmarsch zur Odyssee wurde – all dies schildert die Nonne in ihrer Biografie „Vom KZ ins Kloster“. Und die stellte der „MM“ 2015 anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung des Frauenlagers ausführlich vor.

Als die Ordensfrau bei der Gedenkfeier 20 Jahre davor das einstige Lagergebet vorlas, gehörte die damalige Bundestagspräsidentin zu den Gästen: Rita Süssmuth schreibt in einem Geleitwort für das Buch, Theodolindes Lebensweg „ist eine Aufforderung, rechtzeitig Zivilcourage zu zeigen“, Widerstand zu leisten und „sich nicht schleichend an Verletzungen der Menschenrechte zu gewöhnen“. Das ehrenamtliche Autorenteam setzt sich intensiv mit dem Leben nach der „KZ-Hölle“ auseinander. Katharina Katzenmaier, die 1949 in den Orden der Benediktinerinnen der Heiligen Lioba eintrat, hielt schon früh Vorträge – als die meisten Deutschen am liebsten alles schweigend hinter sich gelassen hätten. Sie sei bis zu ihrem Tod im Jahre 2000 „Botschafterin des erfahrenen Leids“, schreibt der Theologe und Pädagoge Rembert Boese. Zu dem Buch gehört auch der von Schwester Theodolinde mit Wasserfarbe gestaltete Kreuzweg. Dazu hat die Lehrerin Veronika Drop eine Bildbetrachtung geschrieben.