Mannheim

Reform Angehende Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflegekräfte jetzt unter einem Dach / Coronavirus zwingt Schulen zeitweise zu digitalem Unterricht

Aufregende Tage beim Ausbildungsstart

Archivartikel

„Aus drei mach eins“ – so lässt sich jene neu eingeführte „generalistische“ Ausbildung umschreiben, die drei bislang eigenständige Berufsbilder vereint: Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege. Diese Reform erforderte bereits vor Corona umwälzende Vorbereitungen. Just zum Start der neuen Klassen stellte die bundesweite Schließung von Lehrstätten vor zusätzliche Probleme. Der „MM“ fragte bei der Vinzenz-von-Paul-Schule am Theresienkrankenhaus (TKH) und bei der Akademie für Gesundheitsberufe der Universitätsmedizin Mannheim nach, wie sie mit der Situation umgegangen sind.

„Wir waren uns schnell einig, wie geplant am ersten April loszulegen“, berichtet Ursula Koch, seit zwei Jahrzehnten Schulleiterin am TKH. Stellvertreter Andreas Berg nickt und spricht von „aufregenden Tagen“. Schließlich habe das Team innerhalb von 72 Stunden auf digitale Lehrformen umgestellt. „Mit einem Schlag war nichts mehr wie davor beim Unterricht“, blickt Michaela Wessendorf zurück. Die Lehrerin für Pflegeberufe: „Zunächst haben wir mit den Schülern telefoniert und per Mail kommuniziert.“ Schrittweise seien digitale Präsentationen ausgetüftelt und „Erklärfilmchen“ eingespielt worden – mit viel Enthusiasmus und Improvisationstalent, wie der TKH-Hausobere Jonas Pavelka anerkennend hervorhebt.

Unterschiedliche Erfahrungen

Als schwierig erwies sich, dass nicht alle Auszubildende gleich viel Erfahrung bei Chatten, Skypen und Co. hatten. Nadine Braun, die sich als 40-Jährige spät zu einer Pflegeausbildung entschlossen hat, räumt ein, sich mit Unterricht via Computer zunächst schwer getan zu haben. „Aber mit der zur Verfügung gestellten App komme ich inzwischen ganz gut klar.“ Das Schul-Team freut sich, „dass keiner abgesprungen ist, sich alle motiviert zeigen“. Seit Mai ist in Lehrstätten für Pflegeberufe zwar wieder Präsenzunterricht mit strengen Auflagen erlaubt – gleichwohl soll digitales Lernen Teil des Konzepts bleiben.

Die Ausbildungsakademie der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) wählte angesichts der Corona-Pandemie einen anderen Weg. In Absprache mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe verschob sie die neuen Kurse um einen Monat. Das habe sich auch deshalb angeboten, erläutert Direktor Marcus Hoffmann, weil im April sämtliche Schulen, auch die für Laborfachkräfte oder Physiotherapeuten, aufs Franklin-Areal in ihr neues Domizil umgezogen seien.

Ohnehin hatte das UMM-Schulzentrum geplant, den ersten Theorieblock komplett digital zu gestalten. Hoffmann: „Wir starten mit einem Pilotprojekt, haben alle Lehrer wie Schüler mit Tablets ausgestattet.“ Beim Entwickeln virtueller Lehrplattformen und Videokonferenzen habe die IT-Abteilung der Fakultät professionell unterstützt.

Ob Pflegenachwuchs mit einem Ausbildungsvertrag von Kliniken oder Trägern von Heimen wie Sozialstationen die Vinzenz-von-Paul-Schule beziehungsweise die UMM-Akademie besucht, grundsätzlich gilt: Seit 2020 fließen fachliche Schwerpunkte bisher getrennter Berufe zusammen, steht ganzheitliches wie lebensweltorientiertes Lernen im Mittelpunkt.

Zwei Jahre lang erfolgen praktische Einsätze in unterschiedlichen Bereichen und theoretischer Unterricht gemeinsam, ehe die Wege in Richtung Spezialisierung oder Pflegefachkraft auseinandergehen. Einjährige Pflegehilfe-Kurse gibt es weiterhin. Denn diese eröffnen Migranten mit nicht anerkannten Zeugnissen eine Chance. Obendrein hat sich das verkürzte Angebot als Einstieg in den Beruf bewährt – was auch für Nadine Braun gilt: Sie hat sich nach ihrem Helferabschluss entschieden, noch eine Pflegeausbildung „draufzusetzen“ - als „neue Lebensperspektive“.

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