Mannheim

Feierstunde ZI begeht Jubiläum mit Vorträgen im Marchivum

Aus der Anfangszeit der Psychiatrie

Im Herbst 1969 ist in Mannheim Psychiatriegeschichte geschrieben worden: Die deutschlandweit erste Arbeitsgemeinschaft Gemeindepsychiatrie nahm ihre Arbeit auf. Erst einige Jahre später wurde das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) errichtet. Dies ist jetzt mit einem Fachsymposium im Marchivum gefeiert worden. Namhafte Referenten beleuchteten Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Sozial- und Gemeindepsychiatrie.

Kurz gesagt, will diese Abteilung für Menschen mit psychischen Erkrankungen ein Versorgungssystem aufbauen, das sie auch außerhalb der psychiatrischen Klinik unterstützt – wohnortnah und umfassend. Etwa mit Beratung und Hilfe bei Behördengängen, Wohnungssuche, Freizeitgestaltung, fachärztlicher Behandlung und einer Rückkehr in die Arbeitswelt.

Faszinierende Einblicke

Als Zeitzeugen gaben Heinz Häfner, Initiator und erster Direktor des ZI, sowie Niels Pörksen, der über die ersten Jahre der Gemeindepsychiatrie in Mannheim berichtete, faszinierende Einblicke. „Die Versorgung psychisch kranker Menschen ist ein verletzbarer Bereich“, betonte Häfner, „das ist eine Mahnung an uns alle.“ Er erinnerte an den Umgang mit den Patienten in der NS-Zeit.

Pörksen nannte es „eine verwegene Forderung“, in der Gründungsphase des ZI eine solche Abteilung aufzubauen: „Niemand konnte damals in Mannheim etwas mit uns anfangen, als wir uns bekannt machen wollten.“ Die ersten Erfahrungen sammelte Pörksen mit seinem Team in der Nicht-Sesshaftenhilfe. „Wir wollten mit den Menschen arbeiten, nicht für sie“, sagte er. Beispielsweise sollten die Bewohner eines Männerwohnheims selbst für eine bessere Versorgung mit Heizung und Warmwasser kämpfen.

Schnell wurde die Gemeindepsychiatrie bekannt und ist heute aus Mannheim nicht mehr wegzudenken. „Durch die Zusammenarbeit von ZI, Stadt und freien Wohlfahrtsverbänden ist das außerklinische Netzwerk für Menschen mit psychischen Erkrankungen in Mannheim reichhaltig und eng geknüpft“, sagte der Leiter der Abteilung Gemeindepsychiatrie am ZI, Jens Bullenkamp.

Hans-Joachim Salize, Leiter der Versorgungsforschung am ZI, forderte für die Zukunft der Gemeindepsychiatrie, dass diese politischer werden und mehr gesellschaftliche Forderungen stellen solle. red

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