Mannheim

Aus unserem Tagebuch

Manchen Brief würde man lieber gar nicht bekommen. Aber jetzt ist er da. Und er macht uns nachdenklich, ja traurig – uns, das Team des „MM“-Hilfsvereins, über dessen Arbeit und Erlebnisse wir hier in diesem Tagebuch berichten.

Vor einem Jahr hatten wir hier von einer jungen Frau geschrieben. Sie hat gepackt, was viele nicht schaffen – sich von ihrem brutalen früheren Partner zu lösen, von den Drogen wegzukommen, nach erfolgreich absolvierter gemeinnütziger Tätigkeit eine reguläre Arbeit aufzunehmen. Und sie hat auch einen neuen Partner gefunden. Doch der muss plötzlich mit starken Schmerzen und geblähtem Bauch ins Klinikum: ein bösartiger Tumor. Er darf wieder nach Hause, für die letzten Wochen.

Sie kümmert sich um ihn, verliert dadurch ihre Stelle wieder. Reserven gibt es nicht. Das Geld wird knapp, zur persönlichen Verzweiflung kommen die materiellen Sorgen. Und das alles wenige Wochen vor Weihnachten. Die „MM“-Aktion „Wir wollen helfen“, ja bewusst gedacht für solche Lebens- und Existenzkrisen, greift daher ein, hilft der Frau, schickt noch eines ihrer Weihnachtspakete für die Feiertage. Und die „MM“-Aktion vermittelt zudem eine ehrenamtliche Hospizbegleiterin.

Einige Monate später erfahren wir dann, dass der Mann den Kampf gegen den Krebs doch ganz schnell verloren hat. Aber im Hospiz sei er auf seinem letzten Weg gut aufgehoben gewesen. Und die Frau sowie ihre Betreuerin beim Drogenverein bedanken sich herzlich, dass die „MM“-Aktion „sehr bewegend und ergreifend“, wie sie schreiben, Anteil an ihrem Schicksal genommen und ihr in schweren Stunden wenigstens etwas geholfen hat.

Es sind einerseits sehr traurige Zeilen. Aber dann geben sie doch wieder die Gewissheit, dass all die viele Arbeit rund um die Aktion „Wir wollen helfen“ keineswegs vergeblich ist, sondern dass sie gebraucht wird. Und wir freuen uns, dass wir dank der Spenden unserer Leser wenigstens ein bisschen helfen können, die Folgen solcher Schicksalsschläge zu lindern, auch wenn man bei schweren Krankheiten machtlos bleibt.