Mannheim

Coronavirus Öffentliches Feuerwerk und nächtliche Fahrten durch die Stadt sind zum Jahreswechsel verboten

Ausgangssperren gelten auch an Silvester

Archivartikel

Mannheim.Erst mit Freunden und Nachbarn auf das neue Jahr anstoßen – und dann rüber zur Kurpfalzbrücke, an den Wasserturm oder ans Rheinufer, wo Rauchschwaden bald die Sicht vernebeln. So haben viele Mannheimer bisher den Jahreswechsel gefeiert. In diesem Jahr wird das nicht möglich sein: Die Stadtverwaltung wies am Montag noch einmal darauf hin, dass die aktuellen Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie auch in der Nacht von Donnerstag auf Freitag gelten. Ohne Abstriche.

Stadt und Polizei kontrollieren

Zwischen 20 und 5 Uhr darf sich derzeit niemand ohne triftigen Grund im Freien aufhalten. „Damit sollen die Infektionszahlen gesenkt und die Gesundheit der Menschen geschützt werden“, teilt die Stadt mit. Das bedeutet zum Beispiel: Der gemeinsame Sekt mit den Nachbarn auf der Straße ist in diesem Jahr untersagt – wie generell der Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit. Essen zu bestellen ist zwar weiterhin möglich. Allerdings darf man es nicht vor Ort abholen, sondern muss es sich liefern lassen.

> Überblick: Coronavirus - so viele Fälle sind in der Metropolregion Rhein-Neckar bekannt
> Dossier Corona: Hintergründe, Infografiken, Berichte zur Entwicklung der Pandemie in Mannheim, Heidelberg, Ludwigshafen und der Metropolregion
> Nichts verpassen: Verschärfter Lockdown, Impfungen, milliardenschwere Wirtschaftshilfen – alle Entwicklungen zum Coronavirus: Jetzt 30 Tage gratis E-Paper und Morgenweb lesen

Auch zu Silvester dürfen sich zwar zwei Haushalte treffen – die nächtliche Heimfahrt oder der Fußweg durch die Stadt ist allerdings ebenfalls nicht erlaubt. Wer gemeinsam mit einem anderen Haushalt feiern will, muss sich diesen also im eigenen Haus suchen oder aber bei den Freunden oder Verwandten übernachten. Der städtische Ordnungsdienst und die Polizei werden in der Neujahrsnacht kontrollieren, ob die Regeln eingehalten werden.

Verboten ist auch das Zünden von Feuerwerk im öffentlichen Raum. In ganz Deutschland dürfen Geschäfte in diesem Jahr ohnehin keine Raketen und Böller verkaufen. Das Verbot des Bundesinnenministeriums soll verhindern, dass die Krankenhäuser zusätzlich zu den Corona-Patienten auch noch Verletzungen durch Feuerwerkskörper zu behandeln haben. „Da durch die Corona-Pandemie bereits viele Notaufnahmen überlastet sind, soll diese Maßnahme einer zusätzlichen Belastung entgegenwirken“, heißt es aus dem Rathaus.

„Bei allem Verständnis – ich halte das für überzogen“, sagt Florian Gokel, Inhaber der Mannheimer Firma „Pyrotechnik im Quadrat“. Für ihn sei nicht nachvollziehbar, warum man in der aktuellen schwierigen Situation den Menschen auch noch das Silvesterfeuerwerk verbiete.

Für große Handelsunternehmen dürfte das Verbot nur ein kleines Problem sein: Der Verkauf von Feuerwerk ist für sie nicht besonders profitabel. Die Baumarktkette Bauhaus hatte eigenen Angaben zufolge schon 2019 entschieden, 2020 keine Böller und Raketen anzubieten. Für Florian Gokels Unternehmen haben die Regeln dagegen große wirtschaftliche Folgen: Das Geschäft mit gewerblichen Kunden sei in diesem Jahr schon weitgehend ausgefallen, weil praktisch keine Großveranstaltungen stattfanden. „Das Silvestergeschäft hätte uns über den Winter gerettet“, so Gokel. Da es jetzt ausfällt, rechnet er mit einem Umsatzrückgang von 90 bis 95 Prozent.

Warnung vor illegalen Böllern

Theoretisch bleibt Privatpersonen die Möglichkeit, auf ihrem eigenen Grundstück noch vorhandene Raketen aus dem Vorjahr zu zünden. Die Stadt rät aber auch davon dringend ab: „Diese könnten zum Beispiel durch falsche Lagerung beschädigt sein, wodurch eine erhöhte Verletzungsgefahr besteht.“

Pyrotechniker Gokel hält diese Gefahr eher für gering. „Feuerwerk hat kein Haltbarkeitsdatum.“ Allerdings rät auch er zu großer Vorsicht: Da das Abbrennen nur auf dem eigenen Grundstück möglich ist, könne es passieren, dass Menschen dort zünden, wo eigentlich zu wenig Platz ist. Er befürchtet zudem, dass das Verkaufsverbot dazu führt, dass sich Feuerwerksfanatiker illegales Knallgut beschaffen: Davon gehe die größte Verletzungsgefahr aus.

Zum Thema