Mannheim

Musikschulfest Bei Bundeswettbewerb gewonnene Preise überreicht / Irrwitziges Tempo und furiose Rhythmen

Ausgezeichneter Nachwuchs

Es ist ein Konzert, das selbst die Berufsmusiker im Saal zum Staunen bringt. Die 14 jungen Musikschüler, die zum Auftakt des Musikschulfests auftreten, fanden bei der Jury im Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ große Anerkennung. Sie zeichnete die außergewöhnlichen Talente mit dem ersten Preis in ihrer Altersklasse aus.

Klare Sopranstimme

Lucia Enzmann und Martin Koloseus spielen die Gitarrenstücke „Cancion de la Hilandera“ und „Fantasia Hongroise“, die für irrwitziges Tempo und furiose Rhythmen stehen, mit der Präzision von Profis. Sie können den Charakter des Stücks nachempfinden und geben ihm persönlichen Ausdruck. Der 14 Jahre alte Ali Insan, der wohl in ein paar Jahren das Stimmfach wechseln wird, weil eine andere Stimmlage für ihn dann bequemer sein dürfte, singt die Knabensopransoli „Die linden Lüfte“ und „Kirschdieb“. Noch ist der Ausdruck seiner hellen, klaren Sopranstimme mit der reinen Intonation bezaubernd, vor allem, wenn er Lieder auf den Frühling singt.

Carla und Merle Arndt gewannen als Geschwisterduo zusammen bei „Jugend musiziert“. Sie bereiteten sich zunächst unabhängig voneinander auf den Wettbewerb vor, weil Merle seit einem Jahr im Ausland studiert. Zwei Wochen vor dem Auftritt kam die 17-Jährige nach Mannheim. Das Multitalent hat mit 16 Jahren ihr Abitur gemacht. Die besondere Herausforderung sei in ihrem Fall deshalb die gemeinschaftliche Interpretation und der Dialog gewesen, sagt ihre Lehrerin Juliane Santa. Die Schwestern wollen nicht wie ihre Mutter Musikerin werden. „Ich will, dass Musik mein Hobby bleibt“, sagt die 15-jährige Carla. „Als Merle zwei Jahre alt war, wollte sie Geige spielen, wenn sie mich Geige spielen hörte“, erzählt die Mutter, die inzwischen ins Musiklehramt gewechselt ist: „Ich glaube, dass Eltern, die musizieren, sei es als Hobby oder im Beruf, wie in jeder anderen Hinsicht auch ein Vorbild sind. Die Kinder werden so sozialisiert und nehmen an, was man vorlebt.“

Virtuosen wie Maurice Ravel sind Teresa Ho und Michael Duong noch keine, aber die verträumten Klänge des von Ravel vertonten Märchens „Ma Mére L’Oye“ verstehen sie schon zu transportieren. „Wenn ich ein Stück einübe, bemühe ich mich zunächst um die präzise Technik“, sagt die 13-jährige Teresa Ho, die im Alter von fünf Jahren mit dem Klavierspielen angefangen hat: „Erst wenn ich es umsetzen kann, stelle ich in den Mittelpunkt, was ich denke und fühle.“ In den ersten Jahren an der Musikschule ging es viel um Fingerübungen, erzählt sie. Die Etüden seien immer schwerer geworden. Seit einigen Jahren lerne sie, wie sich ein Musikstück interpretieren lasse. Michael hat vor sechs Jahren im Alter von sieben angefangen.

Lob von Ulrike Freundlieb

„Hier kann man in jedem Alter beginnen. In der Frühförderung bieten wir Babykurse an. Es braucht zum einen Begabung und Kontinuität im Üben, um weiter zu kommen. Dafür braucht es auch die Unterstützung der Eltern“, erklärt Klavierlehrer Thomas Jendl: „Aber für unsere Preisträger versteht das sich von selbst. Sie bringen Begeisterung mit. Wenn man merkt, dass es gut geht und man gelernt hat, sich über Musik auszudrücken, dann wird sie ein Teil des persönlichen Lebens.“

„Ihr habt gezeigt, dass ihr in die Musik eintauchen könnt und es nicht nur um perfekte Technik geht. Musik bedeutet nicht nur schweißnasse Finger und viel Disziplin, sondern auch Freude“, sagt Bildungsdezernentin und Bürgermeisterin Ulrike Freudlieb beim Konzertauftakt. Sie begleitete die Teilnehmer bei den Wettbewerben auf Regional-, Landes- und Bundesebene: „Die Förderung junger Talente ist nur möglich, wenn die Familie sie mit aufnimmt. Es bedeutet einen hohen logistischen Aufwand, die musikalische Förderung und die Teilnahme am Wettbewerb um den Familienalltag herum zu organisieren.“

Udo Michel-Laus, der den Preis des Fördervereins der Musikschule an die Gewinner vergibt, glaubt, dass die Erfahrung die jungen Leute in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt hat: „Wenn man so etwas in jungen Jahren hinbekommt, prägt das fürs ganze Leben.“

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