Mannheim

„Erkennen Sie Mannheim“ (Auflösung Folge 145) Gesucht war das Gebäude in T 6 am Friedrichsring / Viele Leser erinnern sich an die „schöne, alte Zeit“

Autos, Autogramme – und Striptease

Das erste Auto, der erste Fernseher, die erste Zigarette. Die Berufsausbildung, freizügige Tänzerinnen oder eine Höhle aus Steinen: Unseren Rätselfreunden hat das Foto der Folge 145 – es zeigt das Gebäude in T 6 – jede Menge alter Bilder zurück ins Gedächtnis gespült. „Schöne, alte Zeit, danke für die Erinnerungen, die dadurch zurückgerufen wurden“, sinniert Helga-Johanna Koch.

Die Mannheimerin denkt an das Restaurant „Metropol“ und seinen Besitzer gerne zurück: „Hans Brückel war ein Vollblut-Gastronom, ein toller Mann und reichlich mit Ideen gesegnet“, schreibt sie. So habe er im „Luisenhof“ in Hemsbach jeden Freitag einen „Funzelabend“ ausgerichtet – „es war immer voll besetzt“.

Manfred Hexamer erinnert an das Kabarett und eine Bar im orientalischen Stil im Erdgeschoss des Gebäudes. Für Margot Goos und andere Kinder, die vor dem Hintereingang der Bar spielten, war es „immer eine Mutprobe“, in den dusteren Eingang zu huschen und die Bilder der freizügigen Tänzerinnen – mit Balken vor bestimmten Körperteilen – zu sehen. „Mit Herzklopfen berichteten wir dann den Wartenden über unser ,Gesehenes’.“ Konrad Schreinert weiß mehr: Nach der Vorstellung im „Metropol“-Varietee „konnte man gleich in die Orientbar hinunter. Dort gab es ausgezeichneten Striptease – sehr zu unserer Freude.“

Viele unserer „Erkennen“-Fans steuerten eine Geschichte zum Autohaus Fritz Schmoll bei. Gabriele Störzinger begann dort 1971 ihre Ausbildung zur Bürokauffrau. Sie wurde übernommen und blieb bis zur Schließung des Betriebs 1999. Ursula Gloser schreibt, dass sie als Kind ihrem Onkel Alfred Reinmuth, der eine Autoschlosserlehre machte, „alle Tage das Mittagessen in einem Kändel bringen“ musste.

Elisabeth Hinkel besuchte den Händler 1970 auch mehrmals – im Auftrag eines Kollegen, der sich für den angekündigten Manta A interessierte. Sie selbst war Auszubildende bei einer Versicherung in den L-Quadraten. Auf ihrem Weg zur Berufsschule in U 1 sollte sie nach Prospekten und Preisliste fragen. Das tat sie mehrfach und wurde immer vertröstet, weil die Broschüren noch nicht da waren. Irgendwann sprach ein Verkäufer sie an: Sie sei aufgrund ihrer häufigen Besuche wohl eher an ihm interessiert – und nicht an dem Manta. „Offenbar hatte er richtig erkannt, dass mich vom Führerschein noch einige Jahre trennten und deshalb das Interesse auf sich bezogen. Irren ist menschlich“, schreibt Renate Hinkel. Es war übrigens ihr letzter Besuch bei Opel Schmoll.

Besser hat Sigrid Scholz das Autohaus in Erinnerung. Ihr Vater war dort Werkstattleiter und hat den alten Schwarz-Weiß-Fernseher von Familie Schmoll („vermutlich von der Schwester des Inhabers“) bekommen. Und: Auch die „Stars des Nationaltheaters“ hatten ihre „großen Opel“ dort beim Service, erinnert sich Scholz. „Deswegen gab es auch manchmal Autogramme!“

Fritz Schmolls Tochter Elfi ist bis heute Cornelia Wirth-Lummers beste Freundin („und Trauzeugin“). Zwischen 1975 und 1985 zogen die beiden gerne durch Mannheim – bis morgens. Im Aufzug habe Fritz Schmoll die Freundinnen „schon mal ertappt“, wenn sie in der Früh nach Hause kamen und er in sein Geschäft ist. „Ich glaube, er hat uns verstanden (hahaha) – war eine tolle Zeit“, schreibt „Conny“.

Viele Leser haben uns verraten, welche Autos sie bei Schmoll gekauft haben: die Eltern von Ute Beres 1953 zum Beispiel einen Opel Olympia Rekord in Grün. Willi Schweizer schlug im April 1968 zu: Ihm wurde der Vorführwagen der Tochter von Fritz Schmoll angeboten – ein Kadett LS, Farbe Orange, Kennzeichen MA – CL 100. Das Fahrzeug war drei Monate für ihn im Verkaufsraum reserviert, bis zur bestandenen Fahrprüfung. „Mindestens einmal in der Woche ging ich dann zu Schmoll, um mein künftiges Fahrzeug zu sehen“, schreibt Schweizer. „Die Rechnung habe ich als schöne Erinnerung an mein allererstes Auto aufgehoben.“

Friedrich Page hat 1949 mit seinen Eltern eine kleine Wohnung in T 6 bezogen. Rechts neben dem Autohaus war ein Trümmergrundstück, auf dem er und seine Freunde eine Höhle aus Backsteinen bauten und ihre ersten Zigaretten (aus Holunderholz) rauchten. „Danach war uns natürlich sehr schlecht.“

Info: Alle Folgen: morgenweb.de/ erkennen-sie-mannheim