Mannheim

Landgericht Staatsanwalt fordert hohe Strafen für fünf Angeklagte

Bandenmäßig Kokain verkauft

Mannheim."Es geht um harte Drogen und um viel Geld" - so fasst Oberstaatsanwalt Jochen Seiler die Dimension des aktuellen Verfahrens am Landgericht zusammen. Fünf Männer müssen sich seit Mai wegen des bandenmäßigen Handeltreibens von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge verantworten. Sie sollen Kokain in Belgien erworben, es nach Mannheim gebracht und hier verkauft haben. Alle fünf, sie stammen aus Albanien und Griechenland, sitzen in Untersuchungshaft.

Einer packt aus

Bis September waren Termine geplant, 14 Verhandlungstage angesetzt, viele Zeugen geladen. Doch einer der Angeklagten brach sein Schweigen und packte aus. "Sie haben den Prozess wesentlich verkürzt", würdigt Seiler die Aussage des Angeklagten im Plädoyer: "Hut ab!" Weil man dem Mann die Bandenzugehörigkeit nicht nachweisen könne, sondern nur den Verkauf von geringen Mengen - allerdings in 46 Fällen - hält der Staatsanwalt einen Strafe von drei Jahren und sechs Monaten für angemessen, Würdigung des Geständnisses inklusive.

Ganz anders geht der Ermittler mit dem vermeintlichen Kopf der Bande ins Gericht. Neun Jahre und sechs Monate sieht er den angeklagten Albanier im Gefängnis: "Er war die treibende Kraft. Der, der alles managte." Und weiter: "Die Telefonüberwachung zeigt, wie er mit den Leuten umgegangen ist und wen wir hier vor uns haben."

Nachweisbar Mitglied der Bande seien weitere zwei Angeklagte, erklärt der Staatsanwalt. Zusammen mit dem "Kopf der Truppe" hätten sie vier Beschaffungsfahrten eingefädelt, insgesamt seien dadurch fast vier Kilo Kokain von Belgien nach Mannheim gekommen. Acht Jahre und vier Monate Haft fordert der Ermittler für den "stellvertretenden Chef", sechs Jahre und acht Monate für seinen Kompagnon, der Wohnung und Auto für die Drogengeschäfte zur Verfügung stellte und bei der Herstellung von Amphetamin beteiligt gewesen sein soll. Er hatte zwar gestern noch ein Geständnis abgelegt, das sei aber "sehr spät gekommen", bemerkt Seiler. Dem fünften Angeklagten sei die Bandenmitgliedschaft nicht nachzuweisen. Er habe in sechs Fällen Kokain in nicht geringer Menge erworben und "weiter vertickt", so Seiler. Die Forderung: vier Jahre, sechs Monate.

Eindrucksvoll hatte bereits am Vormittag ein Kripobeamter berichtet. Über eine Vertrauensperson seien sie den Männern auf die Spur gekommen, sagte er: "Bestimmt 1500 Telefonate haben wir überwacht". Zwei sogenannte Bunkerwohnungen in Ludwigshafen hätten sie durchsucht: "Eine glich einem Drogenlabor. Wir fanden Verpackungsmaterial, Chemikalien, Feinwaagen, eine Kokainpresse und im Gefrierfach das Amphetamin." Morgen folgen die Plädoyers der Verteidiger.