Mannheim

Begegnen statt tippen

Kennen Sie den Welttag der sozialen Kommunikationsmittel? Ich muss gestehen, dass dieser Tag bisher an mir vorbeigegangen ist, obwohl ich mich täglich mit Handy, Tablet und Laptop auf den Weg ins weltweite Netz mache. Aber es gibt ihn wirklich, schon ziemlich lange: Papst Paul VI. führte den Tag im Jahr 1967 als Tag der Massenmedien ein. An diesem Wochenende feiert die Katholische Kirche – übrigens immer am zweiten Wochenende im September – den 53. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel.

Zu Beginn jedes Jahres schreibt der jeweilige Papst eine Botschaft bezogen auf die christliche Soziallehre und Ethik und bezieht aktiv Stellung. In diesem Jahr unter dem Leitgedanken: „Denn wir sind als Glieder miteinander verbunden – von den Social Network Communities zur menschlichen Gemeinschaft“. Drei Seiten lang weist Franziskus auf die Chancen des Internets hin, die einerseits dazu dienen sollen uns weltweit zu verbinden sowie Informationen auszutauschen, und uns eine unerschöpfliche Quelle von Wissen bieten. Andererseits aber auch auf Risiken wie soziale Isolierung, engstirnige Abgrenzung und einer Plattform für Anfeindungen, Vorurteile und Verletzungen.

Klar und unbestritten steht für ihn die Gemeinschaft an erster Stelle: Gott ist Gemeinschaft und Liebe ist Kommunikation. Nach Franziskus ist es unsere Aufgabe, das Internet als Erweiterung unserer sozialen Netzwerke zu nutzen, um lebendige und greifbare Begegnung möglich zu machen und Gemeinschaft zu fördern. Jegliche sozialen Kommunikationsmittel können nur der Weg zu einer tragenden Gemeinschaft sein, aber niemals die Gemeinschaft ersetzen.

Spüre Entzugserscheinungen

Vor einem guten halben Jahr musste ich ein Trauergespräch über das Telefon führen. Schnell merkte ich, dass ich an meine Grenzen komme: Zwar war der Inhalt ausführlich und bot mir viele Anregungen für meine Ansprache, aber das Gefühl in mir war unerträglich, den Menschen in seiner Trauer nicht ansehen zu können, keine Gesten auszutauschen und sämtliche Empathie über die Stimme zu schicken.

Ich könnte mir ein Leben ohne die Vielzahl an Kommunikationsmittel und sozialen Medien nicht mehr vorstellen, und muss zugeben, dass sich leichte Entzugserscheinungen bei mir einstellen, wenn ich auf der Sommerfreizeit kein Netz habe. Dort wo Kommunikationsmittel genutzt werden, um Verbindung herzustellen zwischen Menschen und Gemeinden, dienen sie uns als Quelle. Wenn sie Menschen auf der Suche nach Hilfe oder unserer Gemeinschaft bei der Koordination unterstützen, dienen sie uns als Quelle. Auch dort, wo wir schöne Erlebnisse und schmerzliche Erfahrungen durch Netzgemeinden im Gebet und wertvollen Worten getragen wissen, dienen die Kommunikationsmittel als Quelle. Sie ersetzen aber keine menschliche Gemeinschaft. Ihr Dienst endet an einem Punkt: der persönlichen Begegnung.

Erzähle ich Kindern aus der Bibel, wird Glaube erst durch ihre großen Augen lebendig. Bringe ich die Krankenkommunion und berühre eine vom Leben gezeichnete Hand, trägt uns das Netz der eucharistischen Gemeinschaft. Um unseren Glauben, um menschliche Beziehung und tragfähige Gemeinschaft leben zu können, brauchen wir persönliche Erlebnisse und die Einmaligkeit eines Gegenübers.

Thorsten Gut

Gemeindereferent

in Hockenheim

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