Mannheim

Flugverkehr Wie konnte es zu der gefährlichen Begegnung zweier Maschinen nahe Mannheim kommen? / Untersuchung kann bis zu einem Jahr dauern

Behörde prüft Folgen der Beinahe-Kollision

Archivartikel

Nach dem Beinahe-Zusammenstoß zweier Flugzeuge vor dem City Airport Mannheim prüft die zuständige deutsche Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) mögliche Konsequenzen. „In den nächsten Monaten gilt es zu klären, woran es lag und was wir tun müssen, damit es nicht wieder passiert“, sagte BFU-Pressesprecher Germout Freitag gestern auf Anfrage.

Dirk Eggert, Leiter der Flugsicherung in Mannheim und Geschäftsführer der Fluggesellschaft Rhein-Neckar Air, zeigte sich dagegen gelassen: „Wir haben den Vorfall natürlich sofort überprüft und sehen derzeit keinen direkten Handlungsbedarf“, sagte er auf Nachfrage. Es seien keine Fehler gemacht worden, die Grund sein könnten, das eigene System auf den Prüfstand zu stellen. „Solche Beinahe-Kollisionen sind sehr, sehr selten.“

Und doch hatte es am 8. September eine solche „gefährliche Annäherung“ nahe Mannheim gegeben (wir berichteten). Kurz vor 18.30 Uhr hatten sich auf gleicher Höhe mit einem Abstand von nur 230 Metern ein heimkehrendes Verkehrsflugzeug der Rhein-Neckar Air mit 28 Passagieren an Bord und ein Sportflieger gekreuzt. Das hatte die BFU Anfang der Woche in einem Zwischenbericht aufgrund von Radaraufzeichnungen dokumentiert. Der Pilot des Verkehrsflugzeuges habe gerade noch ausweichen können. Zu dem Vorfall kam es wohl aufgrund mehrerer Umstände. So hatte der Radarlotse in Mannheim das entgegenkommende Sportflugzeug zunächst nicht als Risiko eingeschätzt, später das Verkehrsflugzeug aber doch noch vor einem Zusammenstoß gewarnt. Diese Warnung wurde aber offenbar von der Besatzung des Verkehrsflugzeugs überhört.

Die BFU bewertete den Vorgang jedenfalls als „schwere Störung“. „Das ist die Kategorie ,gerade noch mal gut gegangen’“, so Freitag. Er bestätigte, dass solche Vorfälle selten seien, in den vergangenen zehn Jahren habe es an bundesweit allen Verkehrsflughäfen etwa 30 vergleichbare „schwere Störungen“ gegeben, in Mannheim bislang noch keine. Freitag betonte zudem, dass es zu der Beinahe-Kollision in einem Luftraum außerhalb Mannheims gekommen sei, in dem „keine Höhen- und Seitenabstände vorgeschrieben sind“. Vielmehr gelte für die Piloten hier der eigenverantwortliche Grundsatz „sehen und verhindern“.

Die eigene Untersuchung könnte nun noch rund ein Jahr dauern, so der BFU-Sprecher. Eventuell notwendige Sicherheitsauflagen seien aber Sache des Luftfahrtbundesamtes, man selbst spreche nur Empfehlungen aus. „Soweit sind wir aber noch lange nicht“, so Freitag.

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