Mannheim

Belächelt, beleidigt, bespuckt

Sie achten darauf, was sie anziehen, wie sie sich verhalten und wer gerade hinter ihnen läuft. In der Metropolregion gibt jeder Dritte – ob lesbisch, schwul, bisexuell, trans- oder intergeschlechtlich (LSBTI) – an, im vergangenen Jahr beleidigt, belächelt oder beschimpft worden zu sein. Jeder Fünfte berichtet sogar von Gewalt. Das hat eine Online-Befragung im Auftrag der Städte Mannheim und Heidelberg herausgefunden.

Das Fazit der Autoren von der Psychologischen Lesben- und Schwulenberatung Plus: Obwohl sich die meisten grundsätzlich sicher fühlen, haben sich in den vergangenen zehn Jahren fast alle der 400 Befragten bewusst unauffällig verhalten, um solche Vorfälle zu vermeiden. Über die Hälfte der Teilnehmer gab an, in Mannheim zu leben. Rund 30 Prozent leben in Heidelberg, die restlichen im Rhein-Neckar-Kreis oder außerhalb.

Hohes Ausmaß an Übergriffen

„Wir waren schockiert über das hohe Ausmaß von sexuellen Übergriffen und von Diskriminierung“, sagt Margret Göth, die im Vorstand von Plus sitzt, und die Studie miterstellt hat. Mehr als 20 Prozent gaben dabei an, sexuell belästigt worden zu sein, 14 Prozent meldeten sexuelle Übergriffe. Dabei konnten auch Erfahrungen anonym geschildert werden. In der Kategorie Beleidigung berichtet eine lesbische Transfrau: „An der Haltestelle ausgelacht. Und auf dem Weg dorthin sowie mitten in der Mannheimer Innenstadt als ,Transe‘ beschimpft.“

Eine pansexuelle Frau berichtet von einem Vorfall in Heidelberg: „Habe meine Freundin am Bismarckplatz geküsst. Uns wurde daraufhin hinterhergepfiffen und wir wurden mit degradierenden Begriffen beleidigt.“ Ein schwuler Mann berichtet von Männern, die ihn verfolgten und „heftig auf mich einschlugen“.

Trotzdem stellen die Autorinnen einen Widerspruch fest zwischen den berichteten Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen und dem hohen Ausmaß der gefühlten Sicherheit. Die Erklärung: Die meisten fühlen sich durch täglich angewandte Vermeidungsstrategien, die sie nicht als LSBTI-Mensch sichtbar machen, sicher und gewappnet gegen Gefahrensituationen. Außerdem seien gewalttätige Übergriffe doch die Ausnahme. Die meisten Befragten wünschen sich auch, mit Stadt und Polizei ins Gespräch zu kommen und mehr Sensibilität für LSBTI-Menschen zu erreichen. 

Die Ergebnisse der Online-Befragung im Detail

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