Mannheim

Morgentour 44 „MM“-Leser besuchen die Firma Villeroy und Boch in Mettlach / Film mit Peter Ustinov über die Geschichte des Unternehmens kommt besonders gut an

Berühmte Keramik aus alter Abtei

Schon die Begrüßung fällt herzlich aus. Klaus Zimmer, lange im Vertrieb beim Keramikhersteller Villeroy und Boch, empfängt die Gäste aus der Kurpfalz: „Ich habe viele gute Erinnerungen an Mannheim. Da hatten wir einen ganz großen Kunden, den ich immer wieder besuchen durfte. Das war immer ein Erlebnis. Schön, dass Sie den Weg gefunden haben und dass Sie da sind.“ Mettlach sei lange Zeit an Trier orientiert gewesen. Im siebten Jahrhundert habe Bischof Lutwinus das Kloster Alte Abtei begründet. Um das Kloster herum sei an der Saarschleife ein Fischer- und Flößerdorf entstanden.

Zimmer führt die Morgentour-Teilnehmer in den ehemaligen Kapitelsaal des Klosters, wo ein Film über das Unternehmen gezeigt wird. Als Sprecher wurde Peter Ustinov gewonnen, der mit seinem unnachahmlichen britischen Humor die Geschichte des seit über 270 Jahre mehrheitlich im Familienbesitz befindlichen Unternehmens erzählte. Im Jahre 1748 begann Francois Boch – von Beruf Eisengießer – mit seinen drei Söhnen im lothringischen Deutsch Oth mit der Produktion von Keramik. Die Nachfrage war so groß, dass er bald expandierte.

1791, als das Unternehmen der Bochs schon über Lothringen hinaus erfolgreich war, gründete Nicolas Villeroy in Vaudrevange (heute Wallerfangen) eine Steingutfabrik. Beide Unternehmer waren zunächst Konkurrenten. Villeroy gelang es, das Porzellan mit Kupferstichen zu bedrucken, was einen enormen Fortschritt in der Serienproduktion bedeutete. Die Kupferstiche wurden zunächst auf Seidenpapier gedruckt. Dieses verbrannte beim Brennvorgang, während die Metallfarbe auf der Keramik zurückblieb.

Beginn der Massenproduktion

1836 schlossen sich die beiden Unternehmen unter dem Namen „Villeroy und Boch“ zusammen, um weiter expandieren zu können. Im Jahre 1801 hatte Jean-François Boch die ehemalige Benediktinerabtei Mettlach gekauft – noch heute der Sitz der Hauptverwaltung des Unternehmens. In ihr wurde eine moderne Geschirrfabrik eröffnet. Hier verwirklichte Boch einige seiner Ideen von Maschinen zur Fertigung seiner Waren, was den Beginn einer Massenproduktion markierte.

Am Ende des 19. Jahrhunderts wurden vor allem im Sanitärbereich Keramik- und Porzellanprodukte üblich. Toiletten, Spülbecken und Badewannen wurden produziert. Aufgrund der hohen Stückzahlen wurden diese auch für ärmere Bevölkerungsschichten erschwinglich.

„Heute dauert die Herstellung eines Tellers etwa sieben Sekunden“, erzählt Manfred Johannes bei der Führung durch die Ausstellung „Keravision“. Rund 3000 Teile würden so jeden Tag entstehen. Die Gäste bewunderten altes und neues Geschirr und andere Accessoires für den täglichen Gebrauch.

„Hier gibt es sehr viel Schönes zu sehen“, stellt eine Teilnehmerin zufrieden fest. „Man sieht hier auch, wie sich das Unternehmen im Laufe der Zeit gewandelt hat. Das ist einfach interessant”, sagen Angelika und Norbert Ludwig. Carola und Friedrich Kattermann loben auch den „sehr aufschlussreichen“ Film zu Anfang. „Auch die Gebäude, in denen gearbeitet wird, sind sehr schön.“ Die beiden Führer Zimmer und Johannes bedanken sich: „Nehmen Sie viele positive Eindrücke mit zurück nach Mannheim.“

Zumindest eine Gruppe erlebt dann aber nach dem Mittag eine eher langweilige Führung durch Mettlach. Die Gästeführerin, die den Alten Turm, den Erdgeist oder die Kirche St. Lutwinus zeigt, hat offenbar nicht ihren besten Tag erwischt. „So etwas Unprofessionelles habe ich ja noch nie erlebt“, raunt eine langjährige „MM“- Leserin. Anderen Gästen der Morgentour bleibt das erspart. „Ich habe auf die Führung durch Mettlach verzichtet, bin einen Kaffee trinken und ein Eis essen gegangen. Bei dem schönen Wetter war das sicherlich das Beste“, meint Hannelore Bayer, ehe sie, wie die anderen Teilnehmer, zufrieden wieder die Heimreise antritt.

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