Mannheim

Mannheimer Landgericht

Berufung im Pflegeeltern-Prozess teilweise stattgegeben

Archivartikel

Mannheim.Nach der Verurteilung wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Misshandlung Schutzbefohlener hat ein Ehepaar am Dienstag vor dem Landgericht Mannheim teilweise mit Erfolg um eine Minderung der Strafe gekämpft. So muss der Pflegevater nicht ins Gefängnis. Er erhielt eine zweijährige Bewährungsstrafe. Ursprünglich war im Urteil von 2019 am Mannheimer Amtsgericht eine dreijährige Haftdauer ausgesprochen worden.

Die Berufung der angeklagten 46-Jährigen Frau ist hingegen verworfen worden. Sie wurde am Mannheimer Landgericht zu drei Jahren und zwei Wochen Haft verurteilt. Beim Urteil von 2019, in das auch mehrere Diebstähle eingeflossen waren, wurden damals drei Jahre und elf Monate Haft ausgesprochen. Da sie wegen der Diebstahl-Delikte zum Teil schon Tagesätze gezahlt hat, wurde das Urteil verringert. Das Strafmaß wegen der Taten gegen das Pflegekind wurde jedoch nicht verringert. 

Dass der 46 Jahre alte Mann nun eine Haftstrafe auf Bewährung erhielt, begründete der Vorsitzende Richter damit, dass der Mann bei den Übergriffen eher eine passive Rolle eingenommen habe. Die gleichaltrige Frau hingegen habe einen aktiven Beitrag zur Misshandlung geleistet, letztendlich aber habe sie zur Aufklärung der Vorwürfe beigetragen. Insgesamt seien die Eltern zweier leiblicher Kinder an der Herausforderung eines Pflegekindes "krachend gescheitert", sagte der Richter.

Wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Misshandlung Schutzbefohlener standen die beiden 46-Jährigen vor Gericht. Sie hatten ihr Pflegekind unter anderem so brutal geschlagen, dass es schwere Verletzungen erlitt und stationär behandelt werden musste. Auch hätten die Pflegeeltern das Kind hungern lassen. Das Paar hatte seine Unschuld beteuert und nach der Verurteilung Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt.

Der Vorsitzende Richter konstatierte am Dienstag, dass die Eheleute das Jugendamt über bestimmte Fakten im Unklaren gelassen haben. So sei weder die psychische Erkrankung des Ehemanns zur Sprache gekommen noch eine Freiheitsstrafe auf Bewährung, zu der die Mutter wegen mehrfachen Diebstahls verurteilt worden war.

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