Mannheim

Reiss-Engelhorn-Museen Liselotte Homering im Ruhestand

Beste Kennerin der Theatergeschichte

Archivartikel

Ihr Wissen ist immens groß, ihr ganzes Berufsleben aus heutiger Sicht ziemlich einmalig: Seit 1985 arbeitete Liselotte Homering an den Reiss-Engelhorn-Museen, von Beginn an als Abteilungsleiterin der gesamten Theater-, Musik und Literaturgeschichte. 2005 kam noch das Museum Schillerhaus dazu. Nun geht sie in Ruhestand. Ehrenamtlich wird sie dem Haus aber erhalten bleiben – zumindest bis zum Jahresende.

„Sie verlässt uns – nicht!“ Es klang sehr erleichtert und erfreut, als Christoph Lind, der Direktor des Museums Zeughaus, das sagte. Er würdigte Homerings „jahrzehntelangen enormen Einsatz“ und ihre „Allseitspräsenz selbst am Wochenende“, ist sie doch als unermüdliche Arbeiterin bekannt. Selbst von „großer Kennerschaft“ und „ungeheurem Wissen“ zu sprechen, sei noch „grandios untertrieben“, so Lind.

Nach dem Studium in Mannheim, wo sie parallel bei der Rheinelektra in der Schallplattenabteilung arbeitete, hatte Homering 1985 die Leitung der weltweit ziemlich einmaligen Sammlung übernommen. Sie besteht aus Theaterzetteln, Programmheften, Bühnenbildmodellen und vielem mehr – und das zurück bis 1779 weitgehend lückenlos.

Weltweit einmalig ist auch, dass zur Sammlung Requisiten zählen, die noch auf der Bühne benutzt werden: Der Gralskelch und die Abendmahlskelche aus der „Parsifal“-Inszenierung von 1957. Homering hat sie immer persönlich ins Nationaltheater gebracht und wieder geholt.

Ausdrücklich dankte Lind zudem für die vielen von Homering gepflegten Kontakte sowie ihre zahlreichen Vorträge, Publikationen und Ausstellungen. So war Homering maßgebliche Gestalterin der großen Sonderschauen „176 Tage Mozart in Mannheim“ sowie „SchillerZeit“ und unzähliger weiterer Ausstellungen. Zudem ist sie Herausgeberin des Standardwerks zur Geschichte des Nationaltheaters. „Bravo, bravo, bravo! Danke!“, schloss sich Claude W. Sui im Namen des Personalrates den anerkennenden Worten von Lind über die beliebte Kollegin an.

Homering erinnerte sich daran, dass sie vor ihrer Einstellung vier Gespräche und eine schriftliche Prüfung absolvieren musste. „Ich dachte schon, danach bin ich Oberbürgermeisterin“, meinte sie humorvoll. In den ersten Jahren sei ihr Büro in Sandhofen, ein Großteil der Sammlung unzugänglich im Ochsenpferchbunker gewesen.

Appell zum Abschied

Ihre Nachfolgerin, die bisher schon in der Abteilung Kunst- und Kulturgeschichte des Hauses tätige Irmgard Siede, ermunterte Homering im Sinne von Richard Wagners Ausspruch „Kinder, schafft Neues“, nun „aus dem Alten etwas möglichst Schönes und Neues zu machen“. Sie habe die 34 Berufsjahre am Museum nur dank „starkem Überlebenswillen und hoher Selbstmotivation“ überstanden und freue sich nun umso mehr über das Lob.

Allerdings mahnte sie leidenschaftlich, das Museum müsse sich noch mehr um die Vermittlung seiner Inhalte an Kinder und Jugendliche bemühen. „Es lohnt, hier zu investieren, es ist unglaublich wichtig, ja überlebensnotwendig“, so ihr Appell zum Abschied.

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