Mannheim

Porträt Andreas Mrusek kennt jedes Kabel im Carl-Benz-Stadion und sorgt dafür, dass bei Heimspielen alles funktioniert / In 26 Jahren nur zwei Partien verpasst

Bester Techniker beim Waldhof

Mannheim.Ohne ihn läuft fast nichts, wenn das Spiel des SV Waldhof im Carl-Benz-Stadion angepfiffen wird. Er ist einer der wichtigsten Männer in der Mannheimer Fußball-Arena, oftmals steht er während der 90 Minuten der Fußball-Begegnungen inmitten der Schaltzentrale. Und dennoch ist er kein Akteur im Trikot, kein Spielmacher, sondern der Mann im Hintergrund – leider weitgehend unbekannt und oftmals verkannt.

„Andreas ist die gute Seele des Carl-Benz-Stadions und für uns ein wichtiger Kollege, welcher jeden Stein und jedes Kabel im Stadion kennt“, sagt SVW-Geschäftsführer Markus Kompp über Andreas Mrusek, den leitenden Stadiontechniker in der Mannheimer Drittliga-Spielstätte. „Sein Engagement für den SV Waldhof Mannheim über Jahrzehnte hinweg ist in der heutigen Zeit keine Selbstverständlichkeit mehr, und wir freuen uns, dass uns Andreas weiterhin die Treue hält.“

Mrusek war beim Stadionbau vor mehr als 26 Jahren ein wichtiger Mitsprecher hinsichtlich der Technik und Verkabelungen, und die heutige Anzeigetafel wurde auf eine Initiative seinerseits hin angeschafft. Seit 1994, der Eröffnung des Carl-Benz-Stadions, hat er darin außer zwei Oberliga-Partien alle Spiele miterlebt – auch die Partien der Nationalmannschaft oder der TSG Hoffenheim. Die Ironie der Geschichte ist, dass der 60-Jährige als Jugendspieler für den Lokalrivalen VfR Mannheim aufgelaufen ist und seine Konditionseinheiten im damaligen Rhein-Neckar-Stadion II absolvierte – also genau an der Stelle, wo heute das Carl-Benz-Stadion steht.

Urlaubsabbruch mit Folgen

Vom damaligen Finanzchef des SV Waldhof, Manfred Göth, wurde er beim Stadionbau mit der Organisation der Technik betraut. „Damals war das weniger aus sportlicher als vielmehr aus technischer Sicht reizvoll“, erklärt er, dass die heutige Beziehung zum blau-schwarzen Traditionsklub erst nach und nach gereift ist. „Aus der Liebe zur Technik ist die Liebe zum Waldhof geworden.“ Sogar seine erste Ehe ist aus seiner Berufung in die Brüche gegangen. Mrusek erinnert sich: „Im Schreiben des Anwalts meiner Ex-Frau stand als Begründung wortwörtlich: Er verbringt mehr Zeit im Carl-Benz-Stadion als zuhause.“

In der Tat, ein Heimspiel des SV Waldhof beginnt für ihn bereits drei Tage vorher, wenn seine Routine startet, in der er sämtliche Techniken überprüft. Am Spieltag selbst ist er vier Stunden vor dem Anpfiff da. „Durch die gestiegenen Anforderungen mit digitalen Werbebanden, Erweiterung der Flutlichtanlage, dem neuen VIP-Bereich und der neuen Geschäftsstelle ist der Strombedarf fast doppelt so hoch wie noch vor wenigen Jahren“, erklärt er eines seiner nächsten Projekte – die Aufrüstung der Trafo-Anlage. Um vorzubeugen, dass nicht auch seine zweite Ehe am Carl-Benz-Stadion scheitert, hat er sogar darin geheiratet. „Am nächsten Tag hat mich der Stadionsprecher Stephan Christen beim Heimspiel vor 10 000 Zuschauern auch noch zum Hochzeitswalzer auf den Rasen geholt“, erinnert sich Mrusek.

Seit einigen Jahren wird er auch von seinen Enkelkindern Marcel, Pascal und Luis unterstützt. Viele Jahre stellte der Elektromeister seine Dienste für den SV Waldhof und das Carl-Benz-Stadion ehrenamtlich zur Verfügung, kaufte teilweise Ersatzteile selbst ein und sparte dem Klub damit über die mehr als zweieinhalb Jahrzehnte viel Geld. Und auch das Familienglück seiner Tochter Patrizia hängt eng mit seiner Tätigkeit im Carl-Benz-Stadion zusammen. Im Jahre 1996 war Mrusek mit der Familie nach Frankreich in den Urlaub aufgebrochen, sie blieben aber mit dem Auto in Italien liegen, wo sie kurzerhand ihre Zelte aufschlugen. Da ereilte Mrusek ein Hilfeschrei aus Mannheim. „Manfred Göth rief mich an und hat gesagt, ich müsse sofort zurückkommen, da Mannheim die Zusage für das Supercup-Finale zwischen Dortmund und Kaiserslautern bekommen hat.“

Also machte sich Mrusek auf den Heimweg und ließ seine Familie für drei Tage in Italien zurück. Die Abwesenheit des Papas nutzte die Tochter dazu, Freundschaft mit einem Italiener zu schließen, woraus letztlich eine Liebe und bis heute zwei Enkelkinder entstanden sind. Genauso unverzichtbar wie er wegen seines Technik-Wissens im Stadion ist, so groß ist auch seine Verbindung zu diesem großen Bauwerk aus Beton. „Solange ich dazu in der Lage bin, möchte ich hier weitermachen“, versprach er und tauchte wieder in den Schaltschrank im Presseraum ab.

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