Mannheim

Kontrollen Beamte winken Besucher der Technoparty „Time Warp“ an der Autobahnraststätte Hockenheim heraus / Suche nach Drogen

„Bitte folgen“ – Polizei macht vor der Party ernst

Archivartikel

An der Autobahnraststätte Hockenheim-Ost kontrollierten am Samstag Polizisten Autos und Reisebusse. Auch an anderen Einfahrtstraßen zum Maimarktgelände wurden Besucher der Time Warp angehalten.

20 Uhr: Die Kontrollen laufen auf Hochtouren, bis zu einem Dutzend Autos und mehrere Reisebusse stehen gleichzeitig in Parkbuchen. Viele kommen aus Frankreich, Italien und den Alpenländern. Bereits Kilometer vor der Raststätte geben Einheiten Nachricht über verdächtige Fahrzeuge, dann werden sie von Polizeiwagen mit der Leuchtschrift „Bitte folgen!“ in die Kontrolle gelotst. Beschlagnahmt wurde bereits unter anderem ein Beutel mit rund einem Dutzend verpackten Amphetamin-Päckchen. Der Besitzer wollte wohl wohl verkaufen. Die synthetische Droge Amphetamin steigert die Leistungsfähigkeit und lässt Hunger, Durst und Müdigkeit vergessen, zugleich belastet sie erheblich das Herz-Kreislauf-System und steigert die Gefahr für Herzinfarkte und Schlaganfälle.

20.24 Uhr: Plötzlich rennt ein Dutzend Beamter Richtung Rastplatzeinfahrt. Dort fährt ein Bus aus Österreich ein, die Polizisten steigen sofort rein, filmen, und die Technofans müssen ihre Hände auf die vorderen Sitzlehnen legen. Das wird gemacht, damit Drogenfunde zugeordnet werden können und niemand eine Möglichkeit hat, diese wegzuwerfen. „Ich kann verstehen, dass es für die Leute unangenehm ist, wenn Polizisten in den Bus stürmen und alles filmen. Deshalb erklären wir ihnen, um was es geht“, sagt Alexander Ulmer, Leiter Verkehrskommissariat Walldorf, der die Aktion an der Autobahnraststätte zum zweiten Mal leitet.

20.30 Uhr: Alle Insassen des Reisebusses müssen aussteigen und werden durchsucht.

20.43 Uhr: Ein weißer BMW aus Italien wird kontrolliert. Die Beamten finden bei drei jungen Männern Cannabis in der Unterhose, einer hat weißes Pulver im Schuh versteckt –vermutlich Amphetamin. Dann folgt für die Italiener der nächste Schritt der „Bearbeitungsstraße“: Aufnahme der Personalien und Abgleich mit der Datenbank. Manchmal, so Pressesprecher Christoph Kunkel, geben in einem Auto die jungen Männer einer Mitfahrerin ihre Drogen, weil sie denken, dass bei einer Kontrolle die Frau von Polizisten nicht durchsucht wird. Aber das machen Polizistinnen – und die erwischten Frauen haben dann wegen der Menge „ein Riesenproblem“.

20.58 Uhr: Der Fahrer des weißen BMW sitzt im Zelt, wo die Anzeige wegen Betäubungsmittelbesitz aufgenommen wird. Seine Backenmuskeln zucken, nervös blickt er umher. Wer keinen festen Wohnsitz in Deutschland hat, muss Bargeld für die Strafverfolgung übergeben. Bei ihm folgt ein Drogentest.

21.31 Uhr: Ein alter Ami-Schlitten mit Münchner Kennzeichen fährt ein. Ein Polizist leuchtet dem Fahrer mit einer Lampe in die Pupillen: Sind sie übermäßig groß, deutet es auf Cannabis-Konsum – umgekehrt auf Amphetamine.

21.55 Uhr: Der Oldtimer fährt mit blubberndem Achtzylinder-Sound in die Nacht – es wurden keine Drogen gefunden, der Fahrer ist fit.

21.20 Uhr: Die vier Italiener stehen an ihrem BMW und lächeln zufrieden. Der Drogentest beim Fahrer verlief negativ – er gibt Gas, damit sie nun zügig zur Party kommen. An der Raststätte gehen die Kontrollen weiter. Und sie werden am nächsten Tag in Gegenrichtung fortgesetzt, denn Drogen werden langsamer als Alkohol abgebaut.

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