Mannheim

Jazz im Quadrat Band eröffnet Zuhörern melodisches Neuland

Brainsail trifft den Nerv des Publikums

Als „das Ereignis in Mannheim“ schlechthin beschreibt Thomas Siffling die „MM“-Konzertreihe „Jazz im Quadrat“. Damit meint der Jazz-Trompeter und „Ella & Louis“-Chef nicht nur die guten alten Zeiten, zu denen der „Mannheimer Morgen“ seine Redaktion noch am Marktplatz hatte und der Innenhof bei musikalischen Veranstaltungen aus allen Nähten platzte. Nein, Siffling spricht auch über bezeichnende Abende wie den jüngsten der Reihe.

Schon bei den ersten Worten zwischen „MM“-Kulturredakteur Georg Spindler und den beiden Sängern der Band Brainsail wird deutlich, dass es kein Konzert von der Stange werden wird. Denn anstatt sich im Gespräch selbst zu brüsten, erzählen die beiden Vokalisten Antonio Garcia und Seyda Sibel freimütig, dass sie ihre besten Ideen „beim Saufen“ ergründeten, Inspiration eine relative Sache ist und statt „wahnsinnig schwieriger Musik“ mit ihren Werken einfach ein Sog entstehen soll, der gefangen nimmt.

„Einzigartige Verbindung“

Ein Versprechen, das in den folgenden zwei Stunden weit mehr bleiben sollte, als eine Worthülse. Und das liegt vor allem an der Magie, die sich stimmlich fast wie von Geisterhand zwischen Sibel und Garcia entfaltet. Um die Kraft dieser tonalen Symbiose zu beschreiben, muss man noch nicht einmal die kulturellen Wurzeln der beiden Protagonisten zwischen der Türkei und Kolumbien bemühen – es reicht, einfach zuzuhören. Und zu genießen.

Die stille, bisweilen meditative Kraft von gemeinsam erzeugten Gesangsflächen („Magic Tree“) darf man dabei nicht weniger bewundern wie den tiefen Groove, der zwischen Funk („Just for a While“) und Soul („Beating“) bisweilen auch ganz emotional daherkommt, um melodisches Neuland zu markieren. Auch für Susanne Böhm-Schwarz, die schon reichlich „Jazz im Quadrat“-Erfahrung sammeln durfte, ist dieses Zusammenspiel der verschiedenen Stimmen eine „einzigartige Verbindung, die mich absolut begeistert“. Dass sie gemeinsam mit ihrem Mann aus Großsachsen den Weg ins „Ella & Louis“ gefunden hat, um solche Musik zu genießen, sei für sie „eine grandiose Überraschung“.

Eine, der man beim Wachsen sprichwörtlich zusehen darf. Hatten die beiden Protagonisten im Interview bereits augenzwinkernd über die „physische Reibung“ in ihren Stimmen gewitzelt, „die Pythagoras gehasst hat“, blühen sie in der Rahmung instrumentaler Finesse wahrlich auf. Wer jungen Musikern wie dem Pianisten Paul Janoschka oder Bassist Johannes Engelhardt beim Solieren zuhört, mag oftmals kaum glauben, dass die Band nach dem ersten Jahr des Bestehens noch gar keine Platte aufgenommen hat. Über Michael Jeske, der an den Trommeln einspringt, um zu gestalten, anstatt sich zaghaft einzufügen, noch gar nicht gesprochen. Grandios, was für eine Bandbreite diese Persönlichkeiten bedienen können, die sich an der Mannheimer Musikhochschule kennenlernten, um nach Großtaten zu streben. Denn was aus bebender Liebe („Would you“), aber auch wilder Rastlosigkeit („Siempre“) während des Auftritts im „Ella & Louis“ an tonaler Reife strömt, verzückt das zunehmend euphorische Publikum.

Zumal es die Musiker an der entsprechenden Spannung auch nicht mangeln lassen. Aller Ansagen zum Trotz: Das Geheimnis in den oft fast schwebenden Klängen bleibt haften, regt zur Reflexion an und fördert den Gedanken nach mehr. Was bleibt, ist ein Sinnesrausch, von dem tief berührte Zuhörer kaum genug bekommen können.

Info: Weitere Bilder unter morgenweb.de/mannheim

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