Mannheim

Geschichte Gedenken an nach Gurs deportierte Juden

Buch der Erinnerung gefordert

Archivartikel

Bis 2020, dem 80. Jahrestag der Deportation aller badischen Juden durch die Nationalsozialisten nach Gurs, sollen die Biografien der in das Lager verschleppten Menschen aufgearbeitet werden. Das hat jetzt Stadtrat Thomas Hornung (CDU) gefordert. Bereits zum 75. Jahrestag habe die Pfälzer Seite dazu ein Buch veröffentlicht, während es auf Badischer Seite so eine personenzentrierte Aufarbeitung noch nicht gibt. „Gerade Mannheim mit dem höchsten Anteil an Deportierten – rund 2000 von circa 6500 Juden – sollte an einer solchen Aufarbeitung interessiert sein, denn Geschichte wird an Schicksalen greifbar, durch Geschichten lebendig“, begründet Hornung, warum sich die Stadt an der Finanzierung eines solchen Bandes beteiligen solle.

Alte Fotos aufgetaucht

Hornung habe offiziell die Stadt Mannheim beim traditionellen Gedenken in Gurs vertreten. Mit dabei waren Rita Althausen für die Jüdische Gemeinde und die beiden Schülerinnen Lea Frank und Léa Schmets vom Karl-Friedrich-Gymnasium. „Besonders beeindruckt“ hätte die Mannheimer Delegation der Zeitzeuge Kurt S. Maier, der eigens aus Washington D.C. angereist war und einst als Zehnjähriger aus dem badischen Kippenheim nach Gurs verschleppt wurde, berichtet Hornung.

Seinen Zuhörern in Gurs zeigte Maier Fotos, die erst vor einigen Jahren aufgetaucht waren: Man sieht, wie der junge Kurt und seine Familie deportiert wird – vor den Augen zahlreicher Schaulustiger. „Das hat mir schwer zu denken gegeben und sorgte für eine angeregte Diskussion: Wann ist der Zeitpunkt, gegen Gewalt, Hass und Extremismus aufzustehen“, sah Hornung „einen aktuellen Bezug“. pwr