Mannheim

Hauptfriedhof Haushaltsausschuss hat 50 000 Euro aus Denkmalpflege-Sonderprogramm für historisches Eingangsgebäude bewilligt / 600 000 Euro Gesamtkosten

Bund hilft bei Sanierung der Arkaden

Archivartikel

„Toll“, freut sich Andreas Adam, Betriebsleiter der Mannheimer Friedhöfe, über diese Nachricht aus Berlin. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat die Förderung der Sanierung des Arkadengebäudes auf dem Hauptfriedhof beschlossen. 50 000 Euro fließen dazu aus dem Denkmalschutzsonderprogramm.

Insgesamt veranschlagt Adam das Projekt auf 600 000 Euro, die sich über mehrere Bauabschnitte erstrecken werden. Der Gemeinderat hat das Projekt auch bereits bewilligt. „Wir haben an vielen Stellen versucht, Zuschüsse zu erhalten“, so Adam. Als Erstes hat jetzt der Bund reagiert. Der Haushaltsausschuss bewilligte insgesamt 30 Millionen Euro für das Sonderprogramm, um dringend erforderliche Sanierungsmaßnahmen an rund 250 kulturell bedeutsamen Denkmälern und historischen Orgeln in ganz Deutschland zu finanzieren.

Anlehnung an Kirchenbau

„Ich freue mich, dass es uns gelungen ist, erneut Bundesmittel für Mannheim zu bekommen“, so der Mannheimer CDU-Bundestagsabgeordnete Nikolas Löbel nach der Sitzung. Der Erhalt der Baudenkmäler in Mannheim sei „eine schöne, aber auch teure Verpflichtung mit Bedeutung über unsere Stadtgrenze hinaus“, so Löbel: „Es ist gut, dass der Bund die Stadt bei dieser Aufgabe unterstützt“, verwies er darauf, dass etwa auch für das Nationaltheater und den Wasserturm schon Gelder fließen.

„Wir können solche Sanierungskosten nicht auf die Friedhofsgebühren umlegen und sind daher für jede Hilfe dankbar“, erläutert Adam. An dem 1841/42 erbauten ältesten Teil des Hauptfriedhofs sei „viele Jahrzehnte nicht viel gemacht worden außer dringenden Dacharbeiten oder Dachrinnen“, so der Betriebsleiter. Aber bis zur Bundesgartenschau 2023 habe er das Ziel, „dieses schöne Aushängeschild unseres Hauptfriedhofs“ wieder in altem Glanz erstrahlen zu lassen. Dazu müssen der Sockel und Teile des Mauerwerks sowie Gitter saniert werden.

Das aus gelbem Sandstein für die Fassadengliederungen und rötlichem Backstein für die Flächen errichtete älteste Gebäude des Hauptfriedhofs geht auf Anton Mutschlechner zurück, der von 1839 bis 1842 Stadtbaumeister war. Der Hauptfriedhof entstand damals auf völlig freiem Feld, wurde bewusst im hochwasserfreien Gelände bei den Sandäckern angelegt und war weithin sichtbar – daher entschied der Architekt sich für eine solch repräsentative Gestaltung in Anlehnung an einen Kirchenbau.

Das 125 Meter lange Gebäude weist Ornamente aus Gotik und Romantik auf. Ein großes Kreuz krönt den mittleren Giebel. Seitlich standen lange amphorenartige Zierurnen, doch die sind in den 1960er Jahren verschwunden. Die beidseitigen Flügelbauten sind zunächst als Aufseherwohnung und Betsaal genutzt worden und dienen nun als Urnenhallen. Ihnen schließen sich auf beiden Seiten Arkadenreihen mit jeweils 13 Rundbögen sowie Eckpavillons an. Unter den Arkaden befinden sich Gruften, teils mit Gebeinen früherer, längst aufgelöster Innenstadtfriedhöfe.

Der Giebel des Eingangsgebäudes trägt die Inschrift „Selig sind die Todten, die in dem Herrn sterben, sie ruhen von ihrer Arbeit und ihre Werke folgen ihnen nach“. 1992, genau zum 150. Jahrestag der Einweihung des Friedhofs, hat die Stadt diese Giebel-Inschrift wieder herstellen lassen. Sie war im Jahr 1967 verschwunden, als man die Fassade einer so gründlichen Sandstrahlreinigung unterzog, dass dabei auch die rötliche Backsteinfärbung verblasste.

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