Mannheim

Marchivum Ausstellung mit Partnerstadt Qingdao erarbeitet

Chinesen geben Einblick in ihr Leben

Über 8000 Kilometer, große Sprachbarrieren, verschiedene Zeitzonen, politische Systeme und kulturelle Traditionen trennen sie – aber es hat dennoch geklappt: Das Marchivum und das Stadtarchiv von Mannheims chinesischer Partnerstadt Qingdao haben zusammen eine Ausstellung erarbeitet, die nahezu gleichzeitig läuft. Sie ist jetzt im Ochsenpferchbunker eröffnet worden und wird ab 25. September dann auch in Qingdao zu sehen sein.

„Es ist ein absolutes Gemeinschaftswerk“, so Marchivum-Direktor Ulrich Nieß. „Da haben sich chinesisches Tempo mit kurpfälzer Ausdauer gepaart“, spielte er auf die unterschiedliche Mentalität an. Doch die Kollegen hätten hervorragende Standards, die für ihn und sein Team „Quelle der Inspiration und Ansporn zum Lernen“ gewesen seien, sagte Nieß.

„Eine innovative Zusammenarbeit“, so – laut Übersetzerin – der stellvertretende Leiter des Stadtarchivs von Qingdao, Xugang Liu: „Wir haben über Länder- und Sprachgrenzen hinweg kommuniziert“ stellte er fest und äußere sich überzeugt: „Die Ausstellungen in beiden Städten werden erheblich zur deutsch-chinesischen Freundschaft und gegenseitigem Verständnis beitragen“, so Xugang Liu, der mit einer großen Delegation aus Qingdao gekommen war und sich vor und nach seiner Rede tief verbeugte.

„Fantastische Idee“

Unterhaltsam berichtete Harald Stockert, der als stellvertretender Marchivum-Chef die Ausstellung mit zwei Kollegen arrangierte, von seinem Aufenthalt in China. „Die haben sich erst einmal gefragt, wo so große Langnasen herkommen“, so Stockert amüsiert. Qingdao, Hafenstadt im Osten der Volksrepublik, ist seit 2016 Mannheims Partnerstadt. Die Zehn-Millionen Einwohner zählende Metropole weise eine „beeindruckende Skyline“ auf. „Es sind aber auch noch viele deutsche, neoklassizistische Gebäude zu sehen“, geht die Gründung doch auf die deutsche Kolonialzeit (1898-1914) zurück. „Es ist vieles noch preußisch geprägt, wir konnten in deutsche Archivalien aus der Kolonialzeit Einsicht nehmen“, so Stockert.

Die Ausstellung stellt historische Schwarz-Weiß-Aufnahmen und farbenfrohe, aktuelle Bilder beider Städte gegenüber und vergleicht sie auf ausführlichen Texttafeln. Dabei geht es um Geschichte, Wohnungsbau, Verkehr, aber auch Kleidung, Sport und Kultur. Teilweise sind die Texte durch anschauliche Exponat ergänzt – edles Porzellan und Essen mit Stäbchen einerseits, aber auch eine Mannheimer Brezel. Man erfährt, dass es in Qingdao mehr als 50 Museen gibt und dort die meisten Elektrobusse weltweit fahren. Alle 500 Meter ist eine Haltestelle.

„Deutschland muss nachdenken, dass es nicht den Anschluss verliert“, mahnte daher Norbert Egger bei der Ausstellungseröffnung. Von 1989 bis 2005 war er Erster Bürgermeister, nun engagiert er sich immer noch für die deutsch-chinesische Zusammenarbeit und war Wegbereiter der Kooperation der Städte sowie der Archive. Egger, Ehrenbürger von Zhenjiang und Qingdao, lobte die Ausstellung als „ganz fantastische Idee „die einander die Kulturen näher bringt“: „Was hier heute zu sehen ist, kann man in Deutschland nirgendwo sehen“, so Egger. Ehrengast der Ausstellungseröffnung war zudem der ehemalige SV-Waldhof-Trainer Klaus Schlappner, von 1992 bis 1995 Trainer der chinesischen Fußballnationalmannschaft. „Er ist immer noch der bekannteste Deutsche in China“, meinte Egger.

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