Mannheim

Feuerwehr Mühsamer Kampf gegen die Glutnester im Müllschlucker des Hochhauses

„Da ist Hitze drin ohne Ende“

Großeinsatz vom frühen Morgen bis spät in die Nacht: „Solch eine Dimension hatten wir hier noch nie“ – so kommentierte am Montag Karlheinz Gremm, Kommandant der Feuerwehr, den Einsatz am Neckarufer. Nachdem klar ist, dass wegen eines Brandes im Müllschlucker das gesamte mittlere Hochhaus mit 550 Bewohnern evakuiert werden muss, unterbricht er seinen Urlaub.

„Am Anfang war Bodennebel“, erzählt ein Feuerwehrmann, der zu den ersten Einsatzkräften zählt, die morgens anrücken: „Alles voller Qualm!“ Zunächst gehen die Feuerwehrleute von einem Brand nur im Müllabwurfschacht aus und melden bald, der sei „unter Kontrolle“. Doch dann stellt sich heraus: Der brennende Müll ist nicht das einzige Problem. Der Abwurfschacht besteht aus einem Metallrohr in einer Betonfassung, und die ist – wegen des Lärms von herabsausendem Abfall – mit Dämmmaterial ausgefüllt. Genau auf diese Dämmstoffe hat der Brand übergegriffen. Sie glimmen und kokeln an mehreren Stellen – wo genau, das weiß man lange nicht.

„Und da drin ist eine Hitze ohne Ende, da kommt man ganz schwer dran“, erläutert der Einsatzleiter Maximilian Schneeganß. Zeitweise funktioniert nicht einmal der spezielle Feuerwehraufzug. Stockwerk für Stockwerk müssen die Feuerwehrleute den Müllschacht öffnen, die Blechverkleidung entfernen, teils das Mauerwerk aufstemmen. Das ist kräftezehrend und zeitraubend. Am Nachmittag kommen daher noch Ehrenamtliche des Technischen Hilfswerks (THW) aus Mannheim, Eberbach, Heidelberg und Neckargemünd. Sie versuchen, mit schwerem Gerät, wie Bohrhammer oder Presslufthammer, den Schacht zu öffnen, damit die Feuerwehr an die Glutnester herankommt.

Die setzt alle Kräfte ein, die irgendwie verfügbar sind – alle Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr, 18 Teilnehmer eines Lehrgangs und Berufsfeuerwehrleute, die eigentlich frei haben. Die Feuerwehr Schwetzingen hilft mit Atemschutzgeräten aus, auch die Feuerwehren Ludwigshafen und Heidelberg unterstützen, die Feuerwehr Lampertheim kommt mit weiterem Personal und dem großen Einsatzleitwagen des Kreises Bergstraße. Er dient als Auskunftsstelle für die zahlreichen verunsicherten Anwohner.

Keine Mülltrennung

Morgens werden sie von der Feuerwehr zunächst aufgefordert, auf die Balkone zu gehen. „Ich stand oben und habe um Hilfe gerufen“, erzählt ein Anwohner aus dem 19. Stockwerk. Dann griff er seine immer gepackte Notfalltasche, flüchtete doch durchs verrauchte Treppenhaus: „Alles war dicht verqualmt“, sagt er. Manche, die aus dem Haus kommen, halten sich feuchte Tücher vor Mund und Nase. „Als ich aus der Wohnung wollte, war alles dicht, ich habe nichts gesehen“, so ein Mann. Eine Frau aus der 25. Etage berichtet, ihr ganzes Badezimmer sei jetzt gelb – durch den Rauch, der in die Wohnung eindrang. Schließlich brennt in dem Schacht ein buntes Gemisch. „Mülltrennung gibt es hier nicht, da schmeißt jeder alles rein“, seufzt ein Bewohner. Die Klappen des Müllschluckers, die eigentlich zwischen 22 und 6 Uhr geschlossen bleiben sollen, würden öfter gewaltsam aufgerissen und dann nicht repariert.

Weil die Feuerwehr nicht sicher sein kann, ob nicht doch jemand durch den Qualm bewusstlos geworden ist, kontrolliert sie sämtliche Wohnungen. „Man muss ja schauen, ob da nicht jemand liegt“, so Maximilian Schneeganß. Viele Haustüren werden dazu gewaltsam geöffnet. Daher bewacht außer dem Streifendienst danach auch der Einsatzzug der Polizei alle Ein- und Ausgänge, auch die ganze Nacht über. 45 Beamte sind dazu nötig. „Ein komplexer Einsatz“, so Polizeipräsident Andreas Stenger: Die Zusammenarbeit habe aber gut geklappt, „die Blaulichtfamilie ist gut aufgestellt!“

Info: Video und Fotostrecke unter morgenweb.de/mannheim

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