Mannheim

Die Branche Fachmann fürchtet sinkende Belegungsquote und fallende Zimmerpreise / Stadt begrüßt zunehmenden Wettbewerb

„Da ist jetzt eine gewisse Sättigung erreicht“

„Heftig“: Mit diesem Wort umschreibt Maik Neuhaus, wie sich der Hotelmarkt in Mannheim derzeit entwickelt. „Da ist jetzt eine gewisse Sättigung erreicht“, sagt der Vorsitzende der Fachgruppe Tourismus und Hotellerie des Hotel- und Gaststättenverbands Rhein-Neckar.

Nach Zahlen der Stadt ist von 2004 bis 2017 „die Nachfrage weitaus stärker gestiegen als das Angebot“. So habe die Zahl der angebotenen Betten um 37 Prozent auf 7742 zugenommen, die Zahl der Übernachtungen indes um 85 Prozent. Nach Angaben vom Stadtmarketing hat sich von 2002 bis heute die Zahl der jährlichen Übernachtungen auf 1,4 Millionen verdoppelt. „Das lässt Mannheim aktuell zu einem interessanten Standort für neue Hotelprojekte werden“, so die Stadt in einer Auswertung für den Gemeinderat.

Von Investoren getrieben

Nachholbedarf gebe es bei Kongress-/Tagungshotels, Häusern internationaler Marken, bei Billighotels sowie Angeboten für Gäste, die länger bleiben wollen. Viele ältere Häuser würden von den Kunden auch schlecht bewertet. „Die Kapazitätserweiterung im Mannheimer Hotelmarkt in den nächsten drei bis vier Jahren wird voraussichtlich durch Steigerungen im Übernachtungsaufkommen nicht vollständig kompensiert werden können“, räumt die Stadt aber auch ein.

Das sieht Neuhaus ebenso. „Bisher hat der Markt die Neueröffnungen gut verkraftet“, denn zeitweise habe es einen Nachholbedarf und ein Ausweichen der Gäste nach Heidelberg gegeben, „doch das ist vorbei“, sagt er: „Was wir jetzt erleben, ist rein von Investoren getrieben, da geht es um die Immobilien, nicht um Angebot und Nachfrage.“ Noch erreiche man eine gute Belegungsquote von 50 Prozent, noch seien die Zimmerpreise nicht gesunken, so Neuhaus. Aber er fürchtet, dass das nicht so bleibt: „Das steigende Angebot zieht die Raten runter. Kettenhotels können das auffangen, aber Privathotels nicht, da geht langfristig Individualität verloren“, so Neuhaus.

Die Stadt begrüßt einerseits mehr Wettbewerb, steht indes „weiteren Hotelanfragen in Citylage und Umfeld des Hauptbahnhofs kritisch gegenüber. Sie will lieber eine „Entzerrung“, sieht Bedarf im Norden und Süden Mannheims.