Mannheim

„Da musst Du selber ran“

Ein gemütlicher Samstagmorgen. Frühstückszeit. Es gibt Kaffee, Nutella, Käse, Butter, Brot, alles da. Und dann das: der Toaster funktioniert nicht. Okay, denk ich: kein Problem, sondern ein Projekt. Mal sehen, ob ich da selber noch was machen kann. Nach dem Frühstück nehme ich mir also einen Schraubenzieher und schraube das Gerät auf. Vorher schaue ich mir bei Youtube kurz ein Video an, wie das grob geht. Innen dann erst einmal ein bisschen sauber gemacht, einen losen Kontakt wiederhergestellt. Und siehe da: der Toaster geht wieder. Wie genial ist das denn? Ich bin mächtig stolz auf meine Toaster-Reparier-Fähigkeiten.

Fertigkeiten einsetzen

Es im Leben erst einmal selber zu versuchen, das bekommen wir bereits im frühen Kindesalter mit auf den Weg. Denn als Menschen haben wir schließlich einen klugen Kopf, Arme, Hände und bestimmte Fertigkeiten, die wir auch einsetzen sollen. Und nicht immer ist – wie beim kleinen Baby die Mama oder der Papa – jemand da, der uns mit Rat und Tat helfen kann. Im Leben müssen wir selber ran.

Was der Toaster im Kleinen ist, das sind die Fragen und Entscheidungen des Lebens im Großen. Auch ein Projekt, ein Riesenprojekt. Auch hier gilt sehr oft für uns Menschen: tu es selbst, entscheide selbst. Baue dir dein Leben so, wie du es willst. Dabei geht es um Fragen wie: welchen Beruf wähle ich? Wen soll ich heiraten? Passen Kinder in meine Karriereplanung? Soll ich einen Kredit für das Haus aufnehmen? Kann ich die Mutter zu Hause pflegen oder darf ich sie auch in professionelle Betreuung geben? Alles schwere Lebensentscheidungen. Aber Fragen, die wir im Laufe des Lebens beantworten müssen.

Wir müssen Antworten finden und haben gleichzeitig den Wunsch, dass das Leben immer noch glücklicher, aufregender, reicher und besser wird. Von überall her, aus Büchern, Serien, TV und Werbung schallt es uns entgegen: baue dir ein „gutes Leben“. Ein schwieriger Balanceakt.

Angst vor dem Scheitern

Wenn es mir gelingt, den Toaster wieder in Gang zu setzen, dann ist alles gut. Aber mache ich im Leben nicht auch die gegenteilige Erfahrung? Dass meine Kräfte und Fähigkeiten eben nicht ausreichen? Oder ich falsche Entscheidungen treffe? Sich bestimmte Lebensvorstellungen nicht realisieren lassen? Kann ich damit umgehen, dass ich scheitere oder kläglich versage?

Die Bibel ist voll von Geschichten, die Menschen mit Gott, mit Jesus erlebt haben – ganz normale Menschen, mit Fehlern und Schwächen, deren ganz alltägliches Leben sich ändert, weil er ins Spiel kommt. Jesus sagt einmal: „Kommt her zu mir alle, die euch die Entscheidungen des Lebens schwer auf den Schultern lasten und die ihr euch schwertut, euer Leben so gelingend zu leben, wie ihr es euch wünscht. Ich möchte eure Herzen leicht machen. Gott kennt euch, er hat euch geschaffen. Ihr habt wunderbare Fähigkeiten und Potenziale – nutzt sie. Aber ich sage euch: ihr könnt und müsst nicht alles selbst entscheiden. Kommt zu Gott mit dem, was euch schwerfällt und wo ihr gescheitert seid. Und denkt immer daran: Gott hält und beschützt euch.“

Das, was Jesus damals über Gott erzählt hat, das, glaube ich, gilt auch heute noch. Gott kennt uns und hört uns, auch wenn wir das mit unserem Toaster nicht selbst hinkriegen.

Ludwig Hecker, evangelischer Lehrvikar, Mannheim-Pfingstberg