Mannheim

Friedrichsplatz Denkmalpflegerin unterstützt Appell für Schutz der Wasserturmanlage / Vortrag beim Verein Stadtbild über aktuelle Projekte

„Da wird ein Kulturdenkmal beschädigt“

Mannheim.Das Landesdenkmalamt will sich in die Diskussion um den Friedrichsplatz einschalten. „Da wird schließlich ein Kulturdenkmal beschädigt“, sagte Oberkonservatorin Ute Fahrbach-Dreher mit Blick auf Vandalismus und Müll rund um den Wasserturm bei einer Vortragsveranstaltung des Vereins Stadtbild in der Sternwarte.

Der Friedrichsplatz-Verein, der Verein Stadtbild, die Kunsthalle und zahlreiche andere Anlieger hatten ein „Aktionsbündnis Friedrichsplatz“ gegründet und an die Stadt appelliert, mehr gegen Picknick, Planschen und Beschädigungen der denkmalgeschützten Grünanlage zu tun (wir berichteten). Im Vorfeld der Vortragsveranstaltung baten sie auch die Denkmalschützerin um Hilfe. „Das ist eine ordnungsrechtliche Frage“, entgegnete sie. „Die Stadt sollte einfach mal mehr Polizeistreifen vorbeischicken“, sagte Fahrbach-Dreher. Sie werde „einen Brief an die Stadt schreiben und sie fragen, was sie zum Schutz des Kulturdenkmals tut“, kündigte Fahrbach-Dreher an. „Ich werde es mal probieren – mal schauen, was für eine Antwort ich kriege“, meinte sie.

„Es ist halt eine Frage des politischen Willens“, entgegnete Wolffried Wenneis vom Netzwerk Kapuzinerplanken, einer der Unterzeichner des Briefs, skeptisch. „Das ist ein Kulturdenkmal, an dessen Erhalt ein öffentliches Interesse besteht“, bekräftigte die Fachfrau mit Blick auf das Jugendstilensemble, „aber man kann es nicht absperren, das ist ein schwieriger Fall“.

Fahrbach-Dreher erläuterte anhand zahlreicher Beispiele aus Karlsruhe und Mannheim, wo welche denkmalschutzrechtliche Regelung greift und wie ihre Behörde private Bauherren berät. Eine besondere Rolle spielte dabei die gesetzliche Regelung, dass der Erhalt eines Denkmals für den Eigentümer wirtschaftlich zumutbar sein müsse. Dazu würden genaue Gutachten hinsichtlich der Sanierungskosten und zu erzielender Mieteinnahmen erstellt, erläuterte sie.

Kein Theater-Abriss

Die Stadt könne sich indes keine Hoffnung machen, unter Hinweis auf die Zumutbarkeit die Generalsanierung des Nationaltheaters zu vermeiden. „Schließlich rechnet es sich nie, ein Theater zu betreiben“, so Fahrbach-Dreher. Die öffentliche Hand habe vielmehr eine besondere Vorbildfunktion beim Denkmalschutz. „Selbst wenn die Stadt Mannheim sich davon verabschieden würde, dort ein Theater zu betreiben, dürfte sie das noch lange nicht abbrechen“, bekräftigte sie. Das gelte ebenso für die Multihalle. Da die seit langem nicht genutzt werde, falle der Behörde hier ein Abrissverbot zwar schwerer, „aber es gibt ja auf Seiten der Stadt den unterlassenen Bauunterhalt“, sagte sie. Das Landesamt für Denkmalpflege hat die Multihalle gerade in eine Veröffentlichung über „Junge Denkmale“ aufgenommen – als eines von zwei Beispielen aus Mannheim, gemeinsam mit dem Bibliotheks- und Hörsaalgebäude in A 3.

Kein Kulturdenkmal seien dagegen, wegen zahlreicher späterer Eingriffe in die Bausubstanz die neobarocken Wohnhäuser der „Gaswerksiedlung“. Dagegen stehe die Bäckerwegsiedlung in Käfertal, da weitgehend erhalten, unter Schutz. „Stadtbild“-Vorsitzende Helen Heberer lenkte den Blick der Fachfrau auf von der Uni geplante „massive Bauten“ in A 5, die „den Blick auf die Sternwarte verdecken werden!“