Mannheim

Feudenheim Gartenheim-Baugenossenschaft feiert in der Kulturhalle ihr 100-jähriges Bestehen

„Dahäm is ebe äfach dahäm“

Am 4. Januar 1918 ist die „Gartenheim-Baugenossenschaft der Angestellten und Beamten Mannheim- Ludwigshafen“ in das Genossenschaftsregister in Mannheim eingetragen worden. Jetzt haben der Vorstand und die Mitglieder gemeinsam bei einem Festakt in der Kulturhalle Feudenheim den 100. Geburtstag ihrer Genossenschaft gefeiert.

Schon die musikalische Einleitung durch die „Palatina Washboard Jassband“ erinnerte an die 1930er Jahre. Die Besetzung der Band sei entsprechend der damaligen Zeit konsequent umgesetzt, erklärte Vorstandsmitglied Oliver Mentzel. So spielten die Musiker auf historischen Instrumenten wie Waschbrett, Sousafon, Klarinette, Trompete oder Kornett, Posaune, Banjo und Piano. Nachdem die Band die Festgäste auf die damalige Zeit zumindest musikalisch eingestimmt hatte, folgte ein historischer Blick auf den enormen Wohnungsbedarf in diesen Jahren.

Insbesondere einkommensschwache Bevölkerungskreise sollten mit preisgünstigem Wohnraum versorgt werden, betonte SPD-Stadträtin Marianne Bade, die kurzfristig für den erkrankten Oberbürgermeister Peter Kurz eingesprungen war. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg seien viele dieser Wohnungen zerstört und mit viel Energie und Eigenleistungen wieder aufgebaut worden, erinnerte sie an eine schwierige Zeit. Die Stadträtin überreichte dann eine alte Fotografie des Wasserturms als Geschenk an den Vorstand der „Gartenheim“, die auch heute noch baut, wie ein Beispiel in der Wimpfener Straße zeigt.

Idee immer noch aktuell

Die Direktorin des Verbandes baden-württembergischer Wohnungs- und Immobilienunternehmen, Sigrid Feßler unterstrich, dass der Genossenschaftsgedanke auch heute noch aktuell ist. Sie zitierte den Geschäftsführer der Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft, Josef Zolk: „In Deutschland und weltweit entdecken immer mehr Menschen die Genossenschaftsidee für sich. Sie steht für Regionalität und Nähe, für Transparenz, Demokratie, Offenheit und Zukunftsfähigkeit. Die Genossenschaft ist eine allen offen stehende Form der gesellschaftlichen Selbstorganisation, ein Modell der Selbsthilfe. Sie vereint Menschen mit gleichen Interessen, fördert individuelles Engagement und Selbstbewusstsein und ermöglicht soziale, kulturelle und ökonomische Partizipation.“ Der Wohnungsbedarf sei auch heute noch ungebrochen hoch, so Feßler.

Allein in Baden-Württemberg würden rund 65 000 Wohnungen pro Jahr nachgefragt werden. Lediglich die Hälfte davon werde gebaut. So sei die alte Idee von damals auch heute noch jung, so das Fazit der Direktorin. Mit Wortwitz führte dann der Kabarettist Hans-Peter Schwöbel in die kurpfälzischen Eigenheiten und Besonderheiten ein. So unterlasse der Kurpfälzer alles, was der Schwabe als Provokation auf seinen ersten Platz auffassen könne – dem Fleiß.

Feierfreudige Kurpfälzer

Allerdings sei der Kurpfälzer beim Feiern nicht zu schlagen, weshalb es ja auch „Worschd“ und „Dorschd“ heiße und nicht Wurst und Durst oder noch schlimmer: „Würstchen“ und „Dürstchen“. Am Ende bleibe dem Kurpfälzer der Genossenschaftsgedanke als Rückzugsraum und Pflege des eigentlichen Quell des Lebens und dem nicht zu widerlegenden Satz: „Dahäm is ebe äfach dahäm.“