Mannheim

Film Vor 30 Jahren schloss das Drive-In-Theater in Friedrichsfeld / Dieter Spickert erinnert sich / MWSP lädt zum Leinwandspektakel mit fahrbarem Untersatz ein /

"Das Autokino war immer proppevoll"

Mannheim."Autokino - das ist doch etwas typisch Amerikanisches. " Laura Todano von der städtischen MWSP-Projektgesellschaft will auf die Konversion der ehemaligen US-Kasernen nach dem Abzug des Militärs aufmerksam machen. Das ehemalige Wohnviertel der Amerikaner verändert sich derzeit mit Höchstgeschwindigkeit. Bei Veranstaltungen der Reihe "Urban Adventures" (Abenteuer in der Stadt) kann man diese Veränderungen hautnah beobachten. Nach Sport, Musik und Flohmarkt steht am Wochenende Autokino auf dem Programm.

Stau wegen Filmfans

Damit weckt Todaro Erinnerungen an das große Drive-In-Kino, das Filmtheater-Betreiber Dieter Spickert (79) am 12. Juni 1968 auf einem Gelände bei der Autobahnausfahrt Friedrichsfeld (heute Spedition Dachser) eröffnet hatte. 19 Jahre lang, bis zur Schließung vor fast genau 30 Jahren, im Frühsommer 1987, flimmerten die unterschiedlichsten Streifen über die 560 Quadratmeter (35 mal 16 Meter) große Leinwand.

"Das war in den ersten Jahren eine Riesensache" erinnert sich Dieter Spickert an die alten Zeiten. "Das Autokino war an den Wocheneden immer proppevoll!" Der Rückstau auf der A 656 war damals legendär, wenn die Besucher aus der Region zum Autokino nach Friedrichsfeld anreisten. Ungefähr 40 solcher Kinos für den fahrbaren Untersatz gab es in den 1970er Jahren in Deutschland, eine Mode, die ab 1960 aus den USA mit einiger Zeitverzögerung übernommen wurde. Dieter Spickert, bei Amerikareisen auf die großen Autokinos aufmerksam geworden, hatte maßgeblich dazu beigetragen, diese Form des Filmtheaters auch in Deutschland zu etablieren. In den USA zählte man zu den besten Zeiten über 4000 Freiluft-Kinos für Autofahrer.

Investition 1,4 Millionen Mark

"Erfunden" hatte das Drive-In-Kino ein Anbieter von Autopflegemitteln bereits vor dem Zweiten Weltkrieg, ab den 1950ern war der Filmabend im Auto dann praktisch unverzichtbarer Teil des "American Way of Life." In Mannheim hatte Dieter Spickert zusammen mit zwei Partnern rund 1,4 Millionen D-Mark (ca. 700 000 Euro) investiert und ein Open-Air-Kino für 1000 Autos gebaut. Auf dem 50 000-Quadratmeter-Areal in der Nähe der Waldrennbahn wurden 500 Säulen aufgestellt mit je zwei Lautsprechern, die innen an die Autoscheibe gehängt wurden. 375 der Säulen verfügten über je zwei Heißluftgebläse für den Winter.

Das Kino verbrauchte laut Bericht des "Mannheimer Morgen" vom Eröffnungsabend soviel Strom wie 250 Haushalte. Auch Getränke, Eis und heiße Würstchen wurden mit einem Servicefahrzeug direkt an der Seitenscheibe serviert. Wer es etwas luxuriöser mochte, der konnte im Autokino-Restaurant Hamburger verzehren. "Die haben wir damals selbst gemacht, Schnellrestaurants waren ja noch unbekannt in Deutschland", so Spickert.

Stolze 3,50 D-Mark kostete der Eintritt 1968, damals kein billiges Vergnügen. Gezeigt wurde zur Premiere der Spielfilm "In der Hitze der Nacht" von Norman Jewison und Stirling Silliphant. "Ein großartiger Film", freut sich Spickert heute noch darüber, dass er den Film mit Sidney Poitier und Rod Steiger, der nur wenige Wochen zuvor mit fünf Oscars ausgezeichnet worden war, am Eröffnungsabend seines Autokinos in Mannheim zeigen konnte.

Fünf Jahre lang währte das ungetrübte Auto-Vergnügen, bis die Ölkrise Ende 1973 den ganz großen Boom beendete. Sonntagsfahrverbote und drastisch steigende Benzinpreise sorgten für schlechte Stimmung beim Publikum. Spickert: "Danach war es nicht mehr der große Erfolg." Das Filmtheater fand zwar noch auf Jahre hinaus sein Publikum. Zum zehnjährigen Bestehen lief als Wiederholung "Vier Fäuste für ein Halleluja", Italo-Westernklamauk mit Bud Spencer und Terence Hill, in der Folgezeit gab's allerdings häufig weniger anspruchsvolles Horror- und Lederhosensex-Programm.

Kindernachmittag im Winter

Anfang der1980er Jahre stellte Spickert das Programm im Autokino noch einmal um, reduzierte die Stellplatz-Anzahl auf 600 und zielte wie zu Beginn mit Erstaufführungen und zeitnahen Wiederholungen aktueller Streifen auf ein anspruchsvolleres Publikum. Samstagsnachts ab 0.30 liefen beispielsweise Werke von Woody Allen oder Musikfilme von The Who und Pink Floyd im Double Feature, ebenfalls ein damals aus den USA eingeführtes Novum. Im Winterhalbjahr gab es nachmittags sogar ein Kinderprogramm.

Als ein Jahr vor Ablauf des Pachtvertrags die Spedition Dachser in Friedrichsfeld ein Grundstück mit Autobahnanschluss suchte, zog Spickert den Schlussstrich: "Die Kinolandschaft hatte sich verändert, überall entstanden Multiplex-Filmtheater, neue Projektionstechniken hielten Einzug" - das Ende einer Ära.

Erinnern Sie sich noch an Filmabende im Friedrichsfelder Autokino? Standen Sie auch im Stau am Kassenhäuschen oder haben sich als Jugendliche die Nächte bei den legendären Double Features an der Waldrennbahn um die Ohren geschlagen? Wie haben die Hamburger im Kino-Restaurant geschmeckt? Haben Sie vielleicht noch alte Fotos aus dem Autokino? Schreiben Sie uns (Stichwort: Autokino) an Mannheimer Morgen, Lokalredaktion, Dudenstraße 12-26, 68167 Mannheim oder senden uns eine E-Mail an lokal@mamo.de.