Mannheim

Das Beste für die Stadt

Stefan Proetel über Mannheims Grünzug-Pläne

April 2023. Der Bundespräsident, vielleicht ist es noch Frank-Walter Steinmeier, eröffnet in Mannheim die Bundesgartenschau. In der ersten Reihe sitzen - mit feierlichen Mienen - Baden-Württembergs Ministerpräsident und Oberbürgermeister Peter Kurz. Zugegeben: Es ist kein unangenehmer Gedanke, die Stadt bei diesem Termin und danach einen ganzen Sommer lang im Blickpunkt Hunderttausender begeisterter Menschen zu wissen. Passt alles - Gelände, Wetter, Stimmung - wird die Stadt, wird die Region mit vielen Gästen ein buntes Fest feiern.

Schneise aus einem Guss

Der entscheidende Punkt aber ist ein ganz anderer: Nach 180 Tagen geht die Schau zu Ende. Vielleicht wird man sie, wie 1975, als Sommermärchen in Erinnerung behalten - bestimmt aber ist sie nur ein Schritt zu einem für die Stadt und ihre Bürger weit wichtigeren Ziel: Es geht am Dienstag im Gemeinderat um die Frage, ob die kommunale Politik den Mannheimern ein Geschenk für die Zukunft machen kann - nicht irgendeinen mehr oder weniger grünen Flickenteppich, sondern eine hochwertige Naturschneise, geplant und umgesetzt aus einem Guss. Aber hochwertig kann der Grünzug nur werden, wenn die Bundesgartenschau stattfindet. Sie ist Treiber, Mittel zum Zweck, sie ist überhaupt erst einmal der Türöffner, mit dem die Stadt an das Spinelli-Gelände gelangt.

Die Entwicklung des grünen Gürtels, der sich fast aus der Innenstadt heraus bis zum Käfertaler Wald schlängelt, ist ein Riesenprojekt, satte 105 Millionen Euro schwer. Verständlich, dass sich viele Menschen damit schwertun, eher die Risiken sehen und auf mögliche Folgekosten für U-Halle oder Au-Gewässer verweisen. Verständlich, dass manche die Verwaltung kritisierten - es ist auch auf ihrer Seite keineswegs alles rund gelaufen. Und verständlich auch, dass bei den auf dem Tisch liegenden Plänen nicht jeder Hurra schreit. Aber sie sind, ganz klar, das Ergebnis eines langen Bürgerbeteiligungsprozesses, geprägt von großer Kompromissbereitschaft.

"Mannheim verbindet"

Und ja, es braucht viel Vorstellungskraft, hinter den Zahlen, Plänen und Skizzen das zu sehen, was einmal Realität werden soll. Wem das schwerfällt, darf der Verwaltung und den Landschaftsarchitekten gerne auch etwas entgegenbringen: Vertrauen. Vertrauen, dass sie das Beste für die Stadt und ihre Menschen wollen. Dass sie eine Vision haben, mit der sie das Leben in der Stadt besser machen wollen. Und dass dies keiner der Handelnden tut, um sich ein Denkmal zu setzen.

Das Denkmal würde sich am Dienstag allenfalls die CDU setzen, sollte sie der Leitentscheidung Grünzug in großer Zahl nicht zustimmen und das Projekt somit zu Fall bringen. Zur Erinnerung: Die CDU ist als klarer Befürworter in den Prozess gestartet.

"Mannheim verbindet" heißt das Motto der Buga 2023. Es wäre wichtig, wenn es schon am Dienstag im Gemeinderat breit zum Einsatz käme. Man muss den Grünzug mit der Buga ja nicht als "Jahrhundertchance" betrachten, wie es oft getan wird. Aber günstiger war die Gelegenheit tatsächlich nie, die Stadt einen großen Schritt nach vorn zu bringen.

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