Mannheim

Geburtstag Mannheim langjähriger Kämmerer und Erster Bürgermeister Norbert Egger wird 80

Das chinesische Teehaus ist sein zweites Wohnzimmer

Man muss weder Prophet noch Buddha sein, um zu ahnen, wo Mannheims Alt-Bürgermeister Norbert Eggert am heutigen 11. Oktober seinen 80. Geburtstag feiert – im Teehaus, das ohne ihn und seine (vor zweieinhalb Jahren verstorbene) Frau Margarete nie entstanden wäre. In dem Luisenpark-Juwel kennt der promovierte Jurist jeden Stein. Es ist gewissermaßen (seit 2001) sein zweites Wohnzimmer.

Als der gebürtige Weinheimer, der im Gemeinderat seiner Heimatstadt erste Politikerfahrungen sammelte, 1968 nach Mannheim zum Rechtsamt wechselte, später das Liegenschaftsamt leitete und 1973 zum kaufmännischen Geschäftsführer der Gemeinnützigen Baugesellschaft Mannheim (GBG) avancierte, hätte sich niemand träumen lassen, dass der Gesetzeskenner und Finanzmensch eines Tages neben seiner 1981 gestarteten Laufbahn als Kämmerer beziehungsweise Erster Bürgermeister eine Zweitkarriere als Brückenbauer zwischen Deutschland und dem Reich der Mitte hinlegen würde.

Überzeugungsarbeit geleistet

Dabei haben ihn seine Rathaus-Aufgaben mächtig gefordert. Beispielsweise die Gründung des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar mit über 20 Stadt- und Landkreisen und mehr als 30 Verkehrsunternehmen. Welche Überzeugungsarbeit es gegen anfängliche Widerstände zu leisten galt, darüber könnte er stundenlang erzählen. „Ein Weg entsteht, wenn man ihn geht“, heißt das 2013 erschienene Buch über Möglichkeiten gestalteter Kommunalpolitik.

Dieses Konfuzius-Wort bewegt ihn bis heute – auch 14 Jahre nach seiner Pensionierung. Dass er von zwei chinesischen Millionenstädten, Zhenjiang und Quingdao, zum Ehrenbürger ernannt wurde, ist keineswegs selbstverständlich. Das hat kein anderer deutscher Kommunalpolitiker erreicht. Wie sehr der Kulturvermittler in China geschätzt wird, offenbarte sich unlängst, als Egger im Marchivum begleitend zu der (bis 29. November laufenden) Ausstellung über Qingdao sein neues Buch „Perle am Yangtse – Zhenjiangs Aufstieg aus persönlicher Sicht“ vorstellte.

An dem Abend würdigte der einstige Botschafter Mei Zhaorong „die reichen Kenntnisse“ des Autors und rühmte dessen Engagement, „manche Voreingenommenheit über China abzubauen“. Demnächst will Norbert Egger erneut in das fernöstliche Riesenreich fliegen, das er unzählige Male besucht, nein erspürt hat – gemeinsam mit seiner Ehefrau, die 56 Jahre an seiner Seite stand. Bei der Reise geht es auch um sein ins Englische übersetzte Buch „Ein Tor zur Welt“: Die Dokumentation über Quindaos Aufstieg soll als überarbeitete Fassung in Hochchinesisch herauskommen – was einer Adelung seiner sehr persönlichen Betrachtung gleichkommt.

Besuch zum Fest

Doch heute wird erst einmal im Teehaus mit Freunden und natürlich den beiden Söhnen gefeiert. Ein besonderes Geburtstagsgeschenk hat Norbert Egger vorab bekommen: Dass zur Präsentation seines Buches über Zhenjiang von dort eine hochkarätige Delegation samt Musikern nach Mannheim geflogen ist.

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