Mannheim

Das Gesicht der Welt verändern

Archivartikel

Von meinen Früchten könnt ihr leben“ (Hos 14,9) – Seit Beginn der Sommerferien hat unsere Familie einen Garten. Zum Räubern für unsere drei Rabauken und zum Ausgleich für meine Frau und mich zur Arbeit in der Gemeinde. Und wirklich – wir verbringen in den vergangenen Wochen viel Zeit dort, rupfen Unkraut, pflegen Pfirsich- und Quittenbäume, legen zugewachsene Wege frei, bauen Matschküchen und Weidenhütten. Zum ersten Mal seit langem fühle ich die Schöpfung Gottes nicht nur in Worten, sondern direkt unter meinen Fingernägeln.

Wir Christen glauben an den Schöpfergott, der die Welt in ihrer ganzen Vielfalt und Einmaligkeit geschaffen hat. Wir alle sind Teil dieser Schöpfung und erhalten als Ebenbilder Gottes von ihm den Auftrag, für die Erde zu sorgen und sind so auf das Engste mit der gesamten Schöpfung verbunden. Papst Franziskus spricht in seiner Enzyklika „Laudato sí, mi signor“ („Gelobt seist du, mein Herr“) von einer „Beziehung verantwortlicher Wechselseitigkeit zwischen dem Menschen und der Natur“ (67). Jede Gemeinschaft, so der Papst, soll von der Erde das nehmen, was sie zu ihrem Überleben nötig hat, hat aber auch die Pflicht, sie zu bewahren und zu schützen und das Fortbestehen ihrer Fruchtbarkeit für die kommenden Generationen zu gewährleisten und zu sichern.

Ausnützung der Natur

Die Ausnützung der Natur sehen viele mit großer Sorge. Deshalb lud der orthodoxe Patriarch Dimitrios I. schon 1989 die ganze christliche Welt dazu ein, am 1. September für die Schöpfung zu beten. Die Kirchen nahmen in der Charta Oecumenica diese Initiative mit einem „ökumenischen Tag des Gebetes für die Bewahrung der Schöpfung“ auf. Dieser ökumenische Tag der Schöpfung wird – eingebettet in die Zeit der Schöpfung vom 1. September bis 4. Oktober – weltweit gefeiert. Das diesjährige Losungswort greift eine Aussage aus dem Buch des Propheten Hosea auf, in der das Heil für Israel mit ungezählten Früchten verglichen wird, die aus Gottes Händen kommen. Gott gibt den Menschen ohne Vorbehalt die Vielfalt der Früchte dieses Erdbodens. Er lässt den Menschen an seiner Fülle teilhaben, die schon jetzt die Vollendung der Schöpfung erahnen lässt.

Feier des Schöpfungstags

Die Feier des Schöpfungstages soll dazu anregen, die Wahrnehmung der Probleme unserer Erde zu schärfen und konkrete Schritte zur Bewahrung der Schöpfung zu verstärken. Zum Schluss bringt uns Patriarch Bartholomaios von Konstantinopel in seiner Aussage vielleicht dazu, verlegen den Kopf zu senken, vielleicht aber auch ihn zu erheben für unsere Erde. „Uns wurde aufgetragen, die Früchte der Welt zu kosten, nicht sie zu verschwenden; wir erhielten den Auftrag, für die Welt zu sorgen, nicht sie zu verschleudern. Als Christus die Menschen mit einigen Broten und Fischen auf einem Hügel in Palästina speiste, wies er seine Jünger an: ,Sammelt die übrig gebliebenen Brocken, damit nichts verdirbt!’ (Joh 6,12). Diese Anweisung sollte in einer Zeit des verschwenderischen Konsums als Vorbild dienen, in der man allein mit dem Abfall der Wohlstandsgesellschaften ganze Bevölkerungen ernähren könnte.“

Ich wünsche uns allen, dass wir das großzügige Geschenk der Schöpfung immer wieder bewusst genießen können und die Gewissheit, dass auch kleine Schritte das Gesicht und die Zukunft dieser Welt verändern werden.

Thorsten Gut, Gemeindereferent, kath. Seelsorgeeinheit Hockenheim