Mannheim

Das Konzert zum Nachhören

Archivartikel

Rockkritiker wird man aus Leidenschaft. Eine frühzeitige, meist autodidaktische Professionalisierung zu einer Art Poplexikon ist notwendig, auch – besser: gerade in Zeiten von Wikipedia und Co. Denn im Publikum und damit unter den Lesern gibt es immer massenhaft Leute, die sich mit ihrem Künstler im Zweifel noch viel besser auskennen. Und wer ständig ins Spezialistenmesser läuft und damit Korrekturen, böse Leserbriefe und Social-Media-Reaktionen provoziert, muss nachbessern – oder sich auf Dauer ein anderes Steckenpferd suchen.

Im Gegensatz zur heutigen Popkritik, bei der Kollegen aus Hip-Hop oder Metal kaum über die Genregrenzen hinaus bewegen, bin ich als Discjockey schon im Teenager-Alter (vor rund 40 Jahren) vom Publikum zum Generalisten ausgebildet worden – von AC/DC und Abba bis ZZTop und Zappa, dazwischen Prince Miles Davis, The Cure oder die frühen Metallica. Die breiten Repertoirekenntnisse waren nötig, um ab Anfang der 1990er als Plattenkritiker und Reporter für die damals führende Fachzeitschrift „Musikexpress/Sounds“, später auch im „Fachblatt Musikmagazin“ oder beim deutschen „Rolling Stone“ kurz nach seiner Gründung mitschreiben zu können.

Im Dauereinsatz über Jahrzehnte hält der Workflow aus zwei bis zehn Plattenbesprechungen pro Woche, Konzertkritiken und serienweise Interviews das eingebaute Lexikon aktuell. Und dem mit der Zeit nachlassenden Gedächtnis hilft auch das eigene elektronische Archiv auf die Sprünge. Etwa durch die Setlists bei Konzerten, die immer dann Sinn machen, wenn wie etwa bei den Stones, Guns N’ Roses oder Grönemeyer genug allseits bekannte Songs im Programm auftauchen. Dann genügt dem interessierten Leser schon ein Blick auf die Liste, um sich den Konzertablauf zu vergegenwärtigen – oder um sich zum Nachhören eine Playlist beim Streaming-Dienst seines Vertrauens zusammenzustellen. Jörg-Peter Klotz

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