Mannheim

Nächtlicher Einsatz Verfahren gegen einen Polizisten wegen Körperverletzung im Amt eingestellt / Getränkehändler verärgert über Entscheidung

„Das Video zeigt doch, wie er zuschlägt“

Archivartikel

Gökhan Örbek hat eine klare Meinung: „Das ist eine Frechheit!“ Für seine Familie ist die Einstellung des Ermittlungsverfahrens gegen einen Polizisten wegen Körperverletzung im Amt nicht zu verstehen. Auch sein Onkel Ibrahim Ayric, der Besitzer des Getränkemarktes, auf dessen Hof sich der Vorfall am 8. Mai 2017 ereignete, ist sauer. Beide sind sich einig, dass der Polizist in dieser Nacht zweimal den bereits mit Handschellen gefesselten Mitarbeiter des Ladens geschlagen hat (wir berichteten mehrfach). „Das Video zeigt doch, wie er zuschlägt“, sagt Örbek. Die Aufnahmen der Überwachungskamera liegen dieser Zeitung vor, die am 17. Mai 2017 exklusiv über den Polizeieinsatz und die Vorwürfe gegen die Beamten berichtet hatte. Sie haben darüber hinaus einen Wachhund mit mehreren Schüssen getötet.

Beamter durch Biss verletzt

Für die Staatsanwaltschaft haben die Ermittlungen, die aufgrund der Medienberichte eingeleitet wurden, aber bewiesen, dass der Verdacht der Körperverletzung im Amt „mangels hinreichenden Tatverdachts“ fallengelassen werden müsse. Auch die Schüsse auf den Schäferhund seien gerechtfertigt gewesen, „da der Hund bereits zwei Beamte durch Bisse verletzt hatte und im Begriff war, erneut anzugreifen“.

Zu den zwei auf dem Video erkennbaren Schlägen des Polizisten erklärt die Staatsanwaltschaft: „Es konnte nicht festgestellt werden, dass die vom Beschuldigten eingeräumten Schläge mit der flachen Hand zu einer körperlichen Misshandlung“ des Gefesselten geführt haben. Auf Nachfrage dieser Zeitung erklärte die Behörde, dass es keine Körperverletzung gewesen sei, weil es keine „üble Misshandlung“ gegeben und keine „Schädigung der Gesundheit“ vorgelegen habe. Hätte sich der Verdacht der Körperverletzung im Amt erhärtet, hätte der Beamte mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren rechnen müssen. Für die Staatsanwaltschaft lief der Einsatz am 8. Mai 2017 wie folgt ab: Um ein Uhr gab es auf einem Industriegelände in der Zielstraße (Neckarstadt) einen Einbruchsalarm. Vier Streifen fuhren hin, „entdeckten in der Lagerhalle eine Person, die sich, vom Lichtkegel der Taschenlampen erfasst, wegduckte“ und in das Innere des Gebäudes lief. Die Polizei ging zu diesem Zeitpunkt von einem Einbruch aus und dass sich der Täter noch im Gebäude aufhielt. Die Beamten trafen auf den Mann, der später Anzeige erstattete. Er hielt den Angaben der Staatsanwaltschaft zufolge „einen knurrenden Schäferhund am Halsband“.

Dem Hund weiteres Leid ersparen

Der Mann wurde aufgefordert, das Tier anzuleinen und vor die Tür zu treten. Als er rauskam, drängte auch der Hund nach draußen und lief zwischen den Einsatzkräften hin und her. Er „biss plötzlich einen Polizeibeamten in den Unterarm, der aufgrund der Dienstkleidung nur leicht verletzt wurde, ließ von diesem ab und verbiss sich dann in den Unterarm eines weiteren Polizeibeamten, der erheblich verletzt wurde“. Nachdem der Hund sich von dem Mann, der ihn führte, nicht beruhigen ließ und zu einem erneuten Angriff auf die Beamten ansetzte, gaben zwei Ordnungshüter Schüsse auf das Tier ab, um eine Gefahr abzuwenden. Der Hund wurde getötet, um ihm „weiteres Leid zu ersparen“.

Für Ibrahim Ayric und Gökhan Örbek sind die Schüsse auf ihren Wachhund nachvollziehbar, da das Tier zugebissen hat. „Aber dass unser Mitarbeiter geschlagen wurde, können wir nicht verstehen. Von ihm ging doch keine Gefahr aus, er hatte schließlich Handschellen an“, sagt Örbek.

Info: Video unter morgenweb.de/mannheim

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