Mannheim

Serie Mehr als 2000 Leser wählen – Sarah Hofmann holt bei „Äfach de Beschde“ die meisten Stimmen / 20-Jährige arbeitet im Hospiz

„Dass ausgerechnet ich gewinne, kann ich kaum glauben“

Der Anruf erreicht Sarah Hofmann im Büro in Heilbronn. Und im ersten Moment reagiert sie – einfach gar nicht. Sprachlos nimmt die 20-Jährige die Nachricht entgegen, dass sie bei der „MM“-Serie „Äfach de Beschde“ die meisten Stimmen bekommen und damit gewonnen hat.

Mehr als 2000 Leser stimmten in den vergangenen Wochen im Internet und per Postkarte ab, wählten ihren Favoriten für „Äfach de Beschde“. Im Oktober hatte diese Zeitung, dazu aufgerufen, Menschen für die Serie vorzuschlagen. Mannheimer, die sich engagieren und sich mit viel Herz für eine gute Sache einsetzen. Mehr als 30 Vorschläge waren eingegangen. Sieben Kandidaten kamen in die engere Auswahl. Sie und ihre Geschichte wurden im Lokalteil dieser Zeitung vorgestellt. Jetzt haben die Leser entschieden: Sarah Hofmann ist „Äfach de Beschde“.

Jeden Samstag bei Sankt Vincent

„Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet“, sagt die 20-Jährige, nachdem sie einmal tief Luft geholt hat. Sarah Hofmann studiert Betriebswirtschaftslehre an der Dualen Hochschule. Ihre Mutter Anja Hofmann hatte sie für die Serie vorgeschlagen. Nicht, weil ihre Tochter so fleißig lernt, sondern weil sie ihrer ohnehin schon knappen Freizeit im Hospiz arbeitet.

Jeden Samstagmorgen ab 8 Uhr nimmt sich Sarah Hofman Zeit für die Sterbenden in St. Vincent, sie bringt ihnen Essen und Trinken ans Bett, begleitet sie zum Rauchen auf die Terrasse, spricht mit ihnen oder leistet mit einer Berührung stillen Beistand. Das alles macht die 20-Jährige ehrenamtlich. „Für mich ist das keine Arbeit“, betonte die Mannheimerin, als der „MM“ sie für das Kandidatenporträt auf dem Waldhof besuchte: „Immer, wenn ich wieder nach Hause gehe, fühle ich mich reicher und gestärkt.“

Diese Kombination aus dem nahenden Lebensende und der großen Lebensfreude ist es wohl, was viele Leser berührt hat. „Danke an Sarah Hofmann“, schrieb Leserin Anita Hocker auf die Postkarte zur Abstimmung: „Es gibt Engel auf Erden!“ Doch die Gewinnerin selbst bleibt bei allem Zuspruch bescheiden: „Ganz ehrlich: Ich habe die Geschichten der anderen Kandidaten gelesen – dass ausgerechnet ich gewinne, kann ich kaum glauben.“

Begeisterung herrscht auch im Hospiz Sankt Vincent. Die Menschen, die dort ihre letzten Wochen verbringen, werden Gäste genannt. Eine von ihnen, die namentlich nicht genannt werden möchte, wünscht sich, dabei zu sein, wenn Sarah Hofmann vom „Mannheimer Morgen“ einen Blumenstrauß und einen Dinner-Gutschein im Wert von 300 Euro für das Sternelokal „Doblers“ überreicht bekommt. „Sarah ist ein Glücksfall“, sagt die Frau. Für den Fototermin hat sie einen ganz bestimmten Wunsch: „Heute möchte ich mein Werder-Bremen-Schal tragen. Zur Feier des Tages.“ Und das ist ja wohl Ehrensache.

Pflegedienstleiterin Petra Nigbur freut sich nicht nur für Sarah Hofmann, sondern auch für das Hospiz. „Sarahs Geschichte ist für uns ein Gewinn: Sie zeigt, wie wichtig die ehrenamtliche Arbeit im Hospiz ist und dass es eine schöne, eine besondere Aufgabe ist.“ Acht Plätze für Gäste gibt es in St. Vincent und 14 Teilzeit-Mitarbeiter. „Die Ehrenamtlichen sind für uns sehr wichtig und deshalb auch bei den Übergaben dabei.“ Als „aktives Zuhören“ bezeichnet Nigbur das, was Sarah Hofmann samstags auf dem Waldhof macht: „Dasein, Schutz geben – mit Worten oder nur, indem man die Hand hält.“ Weil Sarah erst 20 Jahre alt ist, sei sie ein wichtiger Bestandteil des Teams: „Sie hilft sehr im Umgang mit jungen Gästen, aber auch im Gespräch mit jungen Angehörigen.“

Sieben Kandidaten standen für „Äfach de Beschde“ zur Auswahl. „Verloren hat keiner“, das sagt Jan-Eric Storck, einer der Nominierten, als er erfährt, dass er nicht die meisten Stimmen bekommen hat. Leserin Ursula Heim bedankt sich in einem Brief an den „MM“ bei jedem einzelnen von ihnen: „Es ist schön, dass es solche Menschen gibt“, schreibt sie: „Und noch schöner ist, dass wir auch davon erfahren.“ Auch Sternekoch Norbert Dobler, der Sarah Hofmann demnächst bekochen wird, gehen die Geschichten unter die Haut. „Ich möchte Sarah Hofmann bei ihrem Besuch den Champagner spendieren, weil ich bewundernswert finde, was sie leistet.“

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