Mannheim

Mordprozess Richter und Mediziner bewerten, ob der 45-Jährige verhandlungsfähig ist

Debatten um Zustand des Angeklagten

Archivartikel

Auch am zweiten Tag im Mordprozess gegen Gocha L. gestern am Landgericht ging es in erster Linie um die Epilepsie-Erkrankung des Angeklagten – und erst nach zwei Stunden Verhandlung um den eigentlichen Tatvorwurf: Der 45-Jährige soll im April 2017 einen Mann in den Quadraten erstochen haben.

Der Georgier Gocha L. – damals als Asylbewerber in Mannheim untergebracht – hatte das Opfer zuvor zu seiner Geburtstagsfeier eingeladen. Bei dieser Feier auf der Neckarwiese soll ihn das spätere Opfer, ebenfalls ein Georgier, schwer beleidigt haben. Dafür – so sieht es die Anklage – hat sich Gocha L. dann nachts gerächt und seinen Landsmann er-stochen. Dieser schlief in einem Auto in den Quadraten, wo die Tat geschah. Die Staatsanwaltschaft sieht Heimtücke als Mordmerkmal. Festgenommen wurde der Verdächtige Monate später in Polen.

Bericht über Zuckungen

Wie am ersten Verhandlungstag (wir berichteten) beantragte Anwalt Oliver Nießing aus Dresden wieder ein Gutachten über den Angeklagten, um zu klären, ob sein Mandant wegen seiner Epilepsie überhaupt verhandlungsfähig ist. Richter Gerd Rackwitz befragte erneut die Gutachterin des Psychiatrischen Zentrums Nordbaden, die wie am ersten Gerichtstag grünes Licht gab. Der Angeklagte dagegen erklärte, auf der Fahrt einen Anfall gehabt zu haben. Eine Justizmitarbeiterin berichtete von Zuckungen zuerst in den Beinen und dann im Oberkörper des Angeklagten, sie habe ihm dann ein Medikament gegeben.

Ein Allgemeinmediziner hatte L. morgens untersucht und erklärte ebenfalls, dass dieser verhandlungsfähig sei. Er fragte den Angeklagten nach Name und Geburtsdatum. Dieser ließ über seinen Dolmetscher ausrichten, dass die Anwälte seinen Namen wüssten und erklärte: „Ich kann nicht reden, nicht denken, ich fühle mich wie ausgeknipst.“ Rechtsanwalt Jens Jansen aus Freiburg warf dem Allgemeinmediziner vor, seinen Mandanten mit den Fragen vorführen zu wollen – die Gutachterin erklärte jedoch, dass genau diese Fragen bei der sogenannten Orientierungsprüfung zuerst gestellt werden.

Gocha L. saß während des Tages zusammengesunken und meist mit aufgestütztem Kopf am Tisch, bei den Pausen ging er, begleitet von Justizmitarbeitern, erst langsam mit wackeligen Schritten zur Tür des Gerichtssaals – danach schien im Foyer sein Gang zum Raucherraum deutlich stabiler. Die Anwälte Nießing und Jansen stellten immer wieder Fragen, unter anderem zur Ausbildung des Mediziners und der Gutachterin.

Zum Tatvorwurf selbst sagte ein Gerichtsmediziner aus: Ein Messerstich in den Bauch hatte beim Opfer ein Stück der Leber abgetrennt sowie eine Schlagader geöffnet – starke Blutungen waren die Folge. Der Mann starb zwei Stunden nachdem der Notruf eingegangen war im Krankenhaus.