Mannheim

Geburtstag Bloomaul und Oberstaatsanwalt a. D. Dietz wird 80

Der gefürchtete Mafiajäger

Man sieht ihn kaum noch. Auch schon vor der Corona-Pandemie konnte Bloomaul Ulrich Dietz, der heute seinen 80. Geburtstag feiert, seit einem Unfall kaum mehr das Haus verlassen. „Aber im Kopf bin ich klar, streiten kann ich noch“, betont der frühere Oberstaatsanwalt.

Ein Ziel, das er sich immer setzte, hat er nun erreicht: „Ich bin 80 geworden und damit der Älteste in der Familie“, sagt er zufrieden. Und er ist der dienstälteste Staatsanwalt, den es je bei der Mannheimer Anklagebehörde gab. Freilich war er stets eher geachtet und gefürchtet als beliebt – zumindest bei seinen Vorgesetzten, aber auch bei Straftätern.

Unbeirrt, unbeugsam, konsequent war er stets, aber auch humorvoll-schlitzohrig. Nach knallharten Ermittlungen verstand er es, seine Erkenntnisse nicht nur unterhaltsam, sondern in Plädoyers mit mal feinsinniger Ironie, mal scharfzüngig-geschliffenen Worten, teils auch kraftvollem Sarkasmus zu verpacken. Das alles brachte ihm 2004 mit dem Bloomaulorden die höchste bürgerschaftliche Auszeichnung ein, die ihn immer noch stolz macht.

Als leidenschaftlicher Jurist und erfolgreicher Ankläger hatte er sich indes schon vorher sehr viel Ansehen erworben. In Alsenborn bei Kaiserslautern geboren, trat er nach dem Jurastudium in Heidelberg und ersten Erfahrungen bei mehreren Amtsgerichten 1970 seine erste Stelle bei der Staatsanwaltschaft Mannheim an. Hier brachte er es bis zum Oberstaatsanwalt und Leiter der für organisierte Kriminalität und Korruption zuständigen Abteilung.

„Mafiajäger“ war sein Ehrentitel, weil er 1991 die deutsche Spur eines Mafiaclans entdeckte und rund 25 Mafiosi, die sich in Mannheim zurückgezogen hatten, in Auslieferungshaft und in Italien hinter sehr lange Zeit Gitter brachte. Dass die damals zuständigen Polizisten noch heute freundschaftliche Kontakte zu ihm pflegen, macht ihn stolz.

Kämpfer gegen Korruption

Aber nicht nur mit Mafiosi legte er sich unerschrocken an. Im Amt, aber auch noch zehn Jahre nach dem Ruhestand in Vorträgen nahm er, stets geprägt von einem tiefen Gerechtigkeitssinn Ämterpatronage, Korruption, leicht beeinflussbare Politiker und den Verfall der Sitten sowie Toleranz gegen Gewalt ins Visier. Während etwa Franz Beckenbauer allerorten noch als „Kaiser“ verehrt wurde, hat er ihn schon immer mit größter Skepsis betrachtet.

Über manche Entwicklung in der Politik ist er verbittert, Verlogenheit und Werteverfall machen ihm zu schaffen. Gut informiert ist er nach wie vor. Nur eine Arbeit, die er mit der Pensionierung begonnen hat, ist abgeschlossen. Per Computer katalogisierte er seine Bücher. Heraus kam, dass es über 10 000 sind. Und er sammelt weiter.

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