Mannheim

Geburtstag Bert Schreiber, Europas ranghöchster Hobbykoch und Erfinder der „Mannheimer Kochschürze“, wird 85 Jahre alt

Der Inbegriff Kurpfälzer Lebensfreude

„Wenn alles so funktionieren dät wie der Kopf und die Gosch, dann wäre ich fit!“ So beschreibt Bert Schreiber, wie er sich zu seinem heutigen 85. Geburtstag fühlt. Aber Kopf und Mund gehen bestens – das ist die Hauptsache, auch wenn ihn die Füße nicht mehr so weit tragen wie einst. Daher will er auch im hohen Alter „weiter de Aff machen, solange es geht“, verspricht er, sich unverändert für Mannheim zu engagieren.

Eigentlich ist Schreiber „nur“ Hobbykoch – indes „Europas ranghöchster Hobbykoch“, wie er gerne genannt wird. Angefangen hat alles 1965: Der 1985 verstorbene frühere Pressefotograf und Wirt der „Stadt Nürnberg“, Pit Steiger, sowie Bert Schreiber riefen die Rustikale Feinschmeckerchuchi ins Leben. Schreiber stieg auf, wurde Großkanzler (sprich Vorsitzender) und dann „Ehren-Großkanzler“ des Clubs kochender Männer in der Bruderschaft Marmite, der renommierten Vereinigung deutscher Hobbyköche, sowie Generalsekretär der Internationalen Vereinigung nationaler Clubs kochender Männer.

„Botschafter unserer Stadt“

Doch entscheidend sind nicht Titel, sondern, was und wen er alles bewegt. Nicht ohne Grund hat Oberbürgermeister Peter Kurz ihn zum 80. Geburtstag als „einen herausragenden Botschafter unserer Stadt, eine vielfältig engagierte Persönlichkeit“ gewürdigt, der mit seinem „bemerkenswerten Talent viel für die Stadt erreicht“ habe. Das reicht von Schreibers Engagement für die Vesperkirche bis zu dem von ihm gestalteten Empfang der Landesregierung auf dem Maimarkt. Besonders betrifft es die 1967 von ihm erfundene „Mannheimer Kochschürze“, verliehen bei dem als „Schaffermahlzeit des Südens“ geltenden „Mannheimer Herrenessen“: Letztlich ist es einfach ein Stück Stoff – Schreiber hat es mit seinem Charme, liebenswerter Hartnäckigkeit und vielen Verbindungen geschafft, die Verleihung zu einem bundesweit renommierten, glanzvollen gesellschaftlichen Event zu machen. Jedes Jahr gelingt es diesem Netzwerker par excellence wieder, dafür ungewöhnliche Prominente aus Politik, Sport und Showgeschäft zu gewinnen.

Dass er mit ihnen auf Du und Du ist, mal zum Inbegriff Kurpfälzer Genuss und Lebensfreude wird, mit seinem Kochclub gar in China und zur Führung im Weißen Haus in den USA empfangen wird – das alles hätte sich Schreiber nie zu träumen gewagt. Als Flüchtlingskind, dessen Vater ermordet wurde, kam er 1955 nach Mannheim. Erst arbeitete er bei Engelhorn, dann machte er sich 1963 mit einer Allianz-Versicherungsagentur selbstständig.

Schnell stieß er zur Fasnacht, wurde vor mehr als 53 Jahren Mitglied der „Fröhlich Pfalz“, war ihr zweiter Vorsitzender und geachteter Senatspräsident. 2016 schied er, nach 48 Jahren, hoch geehrt aus dem Vorstand aus. Er hat für den Verein unzählige Freunde, Akteure und Gönner gewonnen, mehrere Krisen gemeistert. Dafür wird er auch weiter gebraucht.