Mannheim

Nationaltheater Musikalische Akademie unterzeichnet Kooperationsvertrag mit dem Moll-Gymnasium

Der Jugend Klassik näher bringen

„Cool“ findet Schülerin Katharina Jünemann das, was jetzt passiert. Privat mag sie eher Pop. Denn „eigentlich ist klassische Musik nicht so das, was wir alltäglich hören“, räumt Miguel Gonzales-Ries ein, wie sie Schüler am Moll-Gymnasium. Aber nun hat die Musikalische Akademie des Nationaltheater-Orchesters einen in dieser Form bisher einmaligen Kooperationsvertrag mit ihrer Schule abgeschlossen, um Jugendliche mehr an Klassik heranzuführen.

Dass Schulklassen gelegentlich ins Konzert oder Orchestermusiker mal in den Unterricht kommen, gibt es schon länger. „Rhapsody in School“ nennt sich dieses Musikvermittlungsangebot. Tibor Stettin, Oberstudienrat des Moll-Gymnasiums, wollte aber mehr. Er initiierte das Kooperationsprojekt, gewann seinen Direktor Gerhard Weber ebenso wie Ulrich Grau, Vorsitzender der Musikalischen Akademie, dazu. Beide unterzeichneten jetzt den Kooperationsvertrag.

Besuche in Proben und Konzerten

Zwar ist das Moll-Gymnasium ohnehin auf Musik spezialisiert, man kann das Fach dort als Leistungskurs wählen. „Aber es hat immer noch Seltenheitswert, dass Schüler von sich aus ins klassische Konzert gehen, da fehlt die Initiative“, bedauert Tibor Stettin. Er aber wünscht sich, „dass dieser wichtige Teil der Kultur irgendwann so selbstverständlich ist, wie wenn man ins Kino geht“. Dazu wolle er „Anstöße geben, den Schülern die Institution Orchester und ihre Instrumente näherbringen“, so der Lehrer.

Die Musikalische Akademie hat sich „total gefreut, dass da so viel Interesse da ist“, sagt Ulrich Grau. Auch wenn es zusätzliche Arbeit und für die Musiker ehrenamtlichen Einsatz neben Proben und Aufführungen bedeute, habe sich das Orchester gerne darauf eingelassen: „Es ist ein Geben und Nehmen, und wir geben gerne“, so der Vorsitzende.

Das Nationaltheater-Orchester werde damit seinem Bildungsauftrag gerecht, indem es den Kontakt zu jungen, musikaffinen und auch nicht-musikaffinen Schülern pflege „und dadurch dazu beiträgt, auch neue Besucherschichten für die klassische Musik zu begeistern“, sagt Grau. Konkret sieht die Kooperation Probenbesuche des Orchesters durch Schüler ebenso wie Besuche der Schule durch Orchestermusiker, ja sogar die Leitung von (Register-) Proben in den entsprechenden Ensembles der Schule vor. Auch die Vorstellung von Instrumenten sowie Probenhospitanzen oder Patenschaften im Schulorchester sind angedacht. „Ziel ist der nachhaltige und regelmäßige Kontakt der Schüler mit den Mitgliedern des Orchesters“, formuliert Grau. Diese „direkte Auseinandersetzung mit ihrem zukünftigen Publikum“ könne auch den Musikern nutzen, ist er überzeugt: „Es gilt, aus der Direktheit, Unbedingtheit und Kompromisslosigkeit junger Menschen zu lernen und sich mit der Diskrepanz zwischen klassischer und der sogenannten U-Musik auseinanderzusetzen“, so der Vorsitzende. Das Projekt ist nicht befristet, soll aber jährlich von allen Seiten überprüft und bewertet werden.

Gleich nach der Vertragsunterzeichnung hat Johanna Pschorr, Posaunistin im Orchester, auch den Anfang gemacht und eine zehnte Klasse besucht. „Das war mal etwas anderes als sonst der Unterricht, richtig cool“, so Katharina Jünemann: „Man hat ja sonst nicht so den direkten Kontakt zu einem Orchestermusiker, aber jetzt konnten wir mal hören, was die so machen und wie das läuft.“ Filmmusik, die sie neben Pop auch gerne höre, werde ja oft von Orchestern gespielt. Sie freue sich jedenfalls auf das Projekt, betont die Schülerin. „Ich denke, wir erfahren da Dinge, die man ansonsten nicht mitbekommt“, spricht ebenso Miguel Gonzales-Ries von einem „richtig guten Projekt, und das nicht nur, weil wir ab und zu kostenlos ins Konzert dürfen“.

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