Mannheim

Hotels Auszubildende vom Dorint übernahmen ein Wochenende die Leitung des Hauses / Bundesweit ungewöhnliches Projekt

Der Nachwuchs auf dem Chefsessel

Er findet es „schon cool“, sie aber „auch eine Herausforderung“: „Es ist einfach anders, wenn man plötzlich anderen sagen muss, was sie machen sollen und alle wollen was von einem“, so Marjana Spiess. Die 20-jährige angehende Hotelfachfrau wie auch ihr gleichaltriger Kollege Leonard Schneider haben gerade ein besonderes Wochenende hinter sich. Die beiden Auszubildenden leiteten für zwei Tage das Dorint-Kongresshotel. Dessen Direktor gibt einmal jährlich die Führung des Vier-Sterne-Hauses an seinen Nachwuchs ab – ein einmaliges Projekt.

Spende an Kinder

In der Berufsschule werden sie dafür bestaunt und beneidet, erzählen beide. „Unsere Mitschüler sagen immer: So eine Gelegenheit bekommen wir gar nicht“, so Marjana Spiess. Jährlich übernehmen die Auszubildenden für ein – sonst wenig ausgelastetes – Wochenende die Regie im Hotel. Sie dürfen dazu Eltern und Berufsschullehrer einladen, auch ehemalige Azubis und Vertreter vom Kinderschutzbund sowie dem Straßenkinderprojekt „Freezone“ sind dabei, denn die erhalten das, was die Gäste als Spende für einen Galaabend, Übernachtung und Frühstück zahlen.

Eingebunden sind alle 74 Auszubildenden – die angehenden Köche und Hotelkaufleute ebenso wie die Duale Studentin und die künftige Veranstaltungskauffrau. Schon im September gehen die Vorbereitungen los. Gemeinsam werden die beiden Direktoren gewählt, die neun Abteilungsleiter – für Bar und Reservierung ebenso wie Rezeption, Service oder Technik.

Schließlich liegt an dem Wochenende alles in der Hand der jungen Leute, sie bestimmen das Motto – diesmal „Griechischer Olymp“. Etwa zehn Vorschläge habe es gegeben, so Marjana Spiess und Leonard Schneider. Nach dem Motto richtet sich die Dekoration – wobei das Nationaltheater unterstützt hat – ebenso wie das Programm des Galaabends. Dazu haben die Auszubildenden ein kleines Schauspiel geschrieben, sich „Olympische Spiele“ ausgedacht, Harfenistin Alexandra Quast von der Popakademie engagiert, und auch ein Sänger aus den eigenen Reihen – Sebastian Benz – zeigt sein Talent.

Das Menü – von Griechischem Hirtensalat über Black Tiger-Garnelen, Lammkotelett und Bifteki bis zu griechischem Blätterteig mit Milchgriesfüllung – hat sich Küchenchef Joshua Forell (18) ausgedacht, angehender Koch im dritten Lehrjahr. Dabei habe ein anderer Koch-Azubi mit griechischen Eltern geholfen, berichtet er. „Aber ich muss halt dafür gerade stehen“, beschreibt er seine Funktion. Da er bereits im dritten Lehrjahr ist, hat er schon zwei Azubi-Wochenenden miterlebt, „daher fand ich es nicht so stressig“, aber „schon mal schön, Chef zu sein“.

Alle haben indes gemerkt, was es auch bedeutet: „Man muss Antworten haben, Lösungen finden, irgendwann Entscheidungen treffen“, so Leonard Schneider: „Als Mitarbeiter bekommt man eben nur grob mit, was läuft, nun mussten wir alle Details wissen.“ Die ganzen Absprachen seien auch deshalb nicht einfach gewesen, weil immer ein Teil der Auszubildenden auf der Berufsschule, die für das Hotelgewerbe in Villingen-Schwenningen ist, und nicht im Haus gewesen sei, erzählt er. Und für ihn, der im ersten Lehrjahr ist, sei es „nicht einfach gewesen, die aus dem dritten Lehrjahr herumzukommandieren“, doch das bringe die Funktion eben mit sich.

„Es ist schon anders, wenn man Befehle erteilen muss“, findet auch Marjana Spiess. Aber beide sind sich einig, dass es eine, so Schneider, einmalige und „ganz wertvolle Erfahrung“ sei: „Alles selbst organisieren und moderieren, da lernt man schon viel“, daher finde er das Projekt „cool“, so der 20-Jährige.