Mannheim

Gesellschaft Passanten in Mannheim mögen türkisches Essen – aber wünschen sich mehr Restaurant-Vielfalt am Marktplatz

„Der Platz hat seinen eigenen Charme“

Archivartikel

Mannheim.Ein heißer Nachmittag in der Mannheimer Innenstadt. Auf dem Marktplatz ist es relativ leer, da die Sonne noch brennt. Der Geruch der türkischen Grillrestaurants ist dennoch präsent. Bald soll noch ein weiteres hinzukommen – denn das Café Journal, einst eine Gastronomie-Institution in der Stadt, bleibt dauerhaft geschlossen (wir berichteten). Der „MM“ hat Passanten in den Quadraten befragt: Wie nehmen sie die Entwicklung am und um den Marktplatz wahr?

Zu oft das gleiche Angebot

Ein Passant, der anonym bleiben möchte, reagiert bestürzt – er wusste noch nicht, dass das Café Journal schließt: „Schon wieder ein türkisches Restaurant? Irgendwann muss der Bedarf doch gedeckt sein?“, ist seine erste Reaktion. Die meisten Stimmen in der Mannheimer Innenstadt stehen der Vielzahl an türkischen Restaurants am Marktplatz kritisch gegenüber. „Das ist nicht mehr Multikulti, sondern nur noch eine Kultur“, sagt Moni F. Sie selbst geht jedoch gern türkisch essen. Eine Dame, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, sieht dies ähnlich: „Früher war ich sehr häufig hier in den türkischen Geschäften. Aber es ist nicht gut, wenn die Grillrestaurants hier weiter so überhandnehmen.“ Sie fügt hinzu: „Auch die Atmosphäre auf der Breiten Straße hat sich verschlechtert, dort sind zu viele Billigläden“. Auch Dagan Korkmaz findet: „Am Markplatz sind zu viele Restaurants mit gleichem Angebot. Mehr Vielfalt wäre schön.“ Ein anonymer Herr meint: „Ich habe keine Probleme damit. Aber es ist schade, dass man hier kein Glas Wein mehr kriegt.“ Ein anderer älterer Herr, der nicht namentlich genannt werden möchte, ist der Ansicht: „Die Gastronomie am Marktplatz wird sehr einseitig. Aber wenn wir die Leute hier haben, haben wir sie hier. Sie müssen ja auch von irgendetwas leben.“ Dennoch geht er mittlerweile nur zum Wochenmarkt auf den Marktplatz, obwohl er früher gern in den Restaurants dort gegessen hat. Darauf angesprochen, ob sie das türkische Viertel bewusst meiden, verneinen die meisten Befragten. Eine ältere Dame erzählt: „Junge Menschen gehen dort eher hin. Meine Enkelin zum Beispiel kauft Obst, Gemüse, Backwaren dort ein.“ Bleibt die türkische Gemeinschaft in den Quadraten hinter dem Marktplatz unter sich? „Ein 51-Jähriger, der selbst dort lebt, meint: Nein. „Meine türkischen Nachbarn bringen mir manchmal auch Essen herunter. Wir grillen miteinander und verstehen uns gut“, erzählt er.

Dass die türkischen Restaurants am Marktplatz Holzkohlegrills nutzen, stößt einigen Befragten auf: „Es stinkt“, findet etwa Doris Geiger. Markus Iffland meint dagegen: „Viele fühlen sich belästigt durch den Rauch, aber der gehört dazu. Es gibt kein Feuer ohne Rauch.“ Markus Schill fühlt sich nicht gestört vom Geruch: „Ich finde ihn eher appetitanregend“, sagt er. Ein jüngerer Mannheimer, der anonym bleiben möchte, meint: „Sicherlich beschweren sich jedoch auch türkische Anwohner darüber.“ Sein pragmatischer Vorschlag: „Man kann auch elektrisch grillen.“

„Coole andere Welt“

Einige Passanten sehen kein Problem darin, dass sich am Marktplatz türkische Gastronomie konzentriert. „Der Platz hat seinen eigenen Charme“, sagt Markus Schill. Er findet: „Das ist wie eine Subkultur – vergleichbar mit China Town in New York.“ Auch ein anderer junger Mann ist positiv gestimmt: „Das ist eine coole andere Welt, wie eine eigene Stadt. Little Istanbul ist das Fressviertel – so wie der Jungbusch das Partyviertel in Mannheim ist.“ Jana V. bringt ihre Ansicht auf den Punkt: „Das Viertel gehört zu Mannheim dazu.“

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