Mannheim

Geburtstag Baubürgermeister Lothar Quast wird diesen Mittwoch 65 Jahre alt / Mit Ruhestand endet eine eindrucksvolle Laufbahn

Der Rekordhalter unter den Dezernenten

Als Lothar Quast sich 1984 im Rechtsamt der Stadt Mannheim bewirbt, da wird er aus 140 Kandidaten ausgewählt. Zu Buche schlägt seine fachliche Qualifikation, aber auch seine „positive menschliche Erscheinung“. Eine Kombination, die trägt. Durch alle Ämter. Jahrzehnte lang. Mit rund 32 Jahren Amtszeit ist er der dienstälteste Dezernent in der Geschichte Mannheims. Wenn er Ende des Jahres in Pension geht, ist er fast die Hälfte seines Lebens Baubürgermeister gewesen. Daran mag er denken, wenn er an diesem Mittwoch seinen 65. Geburtstag feiert.

Und auf eine glanzvolle Karriere zurückblicken kann, deren Potential einer früh erkennt: „Ich habe Gerhard Widder viel zu verdanken“, bekennt Quast. 1987 macht ihn der Oberbürgermeister zu seinem Persönlichen Referenten. In dieser Schlüsselposition qualifiziert er sich für Höheres. Bereits ein Jahr drauf schlägt seine Stunde. Die Amtszeit des parteilosen Baudezernten Niels Gormsen endet. Obwohl dieser weitermachen will, setzt Widder auf Quast. Kritik kommt auf, deren Kern neben der nötigen Abwahl eines beliebten Amtsinhabers das jugendliche Alter des Aspiranten (33) bildet. Die Architekten wiederum stört, dass ihr kunstsinniger Kollege durch einen Juristen ersetzt werden soll.

Große Anerkennung für Arbeit

Auch in der SPD muss Quast sich erst durchsetzen. Karl Gleisberg, Leiter des Bauordnungsamtes, tritt gegen ihn an, unterstützt vom einflussreichen AWO-Chef Max Jaeger. Doch Quast gewinnt parteiintern und auch die Abstimmung im Gemeinderat – mit 33 gegen 13 Stimmen für Gormsen; auch die CDU steht hinter dem Sozialdemokraten. Doch schon bald erstreckt sich die Anerkennung für seine Arbeit auch auf viele der anfänglichen Kritiker.

Als Quast sein Amt antritt, sind die Großprojekte der Ära Widder zumeist geplant. Im Mittelpunkt stehen nun Flächen für Dienstleistung und Industrie: Braas, Friesenheimer Insel, Rheinauhafen (mit neuer Zufahrt), vor allem das Glückstein-Quartier. Dazu der Wohnungsbau. „In den 1990er Jahren wurden in einem Jahr tausend neue Wohneinheiten gebaut“, betont Quast nicht ohne Stolz. Sein Ziel – ein neuer Stadtteil auf der grünen Wiese in Straßenheim, quasi eine zweite Vogelstang, ist politisch jedoch nicht durchsetzbar. „Im Nachhinein gesehen war diese Entscheidung des Gemeinderates okay“, sagt er heute. Ohnehin gibt es in seiner letzten Amtsperiode Ersatz mehr als genug: die Konversionsflächen.

Ein neuer Schwerpunkt wird mit Quast 1989 die Ökologie. Umweltverträglichkeitsprüfung, Sperrung der Reiss-Insel, Tempo 30 in Wohngebieten, flächendeckende Biotonne – so lauten die Maßnahmen alleine des ersten Amtsjahres. Für manche schon zu viel, für die Grünen zu wenig. Vor allem die Bösfeld-Bebauung bleibt für sie ein ökologischer Sündenfall. Quast sieht das anders. In ihrem aktuellen Zuschnitt sei die Bebauung nicht nur verträglich: „Sie ist ein Glücksfall für Mannheim.“

In seiner Partei gilt Quast früh als Mann der Zukunft. Als der Kreisverband die tiefen Gräben zwischen dem Vorsitzenden Karl Feuerstein und seinem Vize Jörg Ueltzhöffer leid ist, wird Quast mit 90 Prozent der Delegierten an die Spitze der damals 4000 Mitglieder gewählt.

Acht Jahre bleibt er Kreisvorsitzender – und befriedet mit seiner Art die Partei. Als 2006 Kulturbürgermeister Peter Kurz und Fraktionschef Frank Mentrup sich um die SPD-OB-Kandidatur 2007 rangeln, da wird Quast als Kompromisskandidat gehandelt. Er winkt ab, steht hinter seinem Freund Peter Kurz.

Einmal kommt bei ihm der Wunsch auf, nach Berlin zu gehen – wer ihn kennt, weiß, das würde passen. Doch die SPD entscheidet sich in einem frühen Stadium anders, für Stefan Rebmann; gut tut ihr das langfristig nicht. Hätte auch Quast 2017 gegen Nikolas Löbel verloren?

Zuhause auf der Rheinau

So bleibt Quast, was er ist, am Ende drei Mal wiedergewählt. Die Oberbürgermeister, die Kollegen auf der Dezernentenbank, sie mögen kommen und gehen, doch er bleibt. Immer Baudezernent, aber dank ständig neuer Ressortzuschnitte mit unterschiedlichem Beiwerk: 2009 kommt der Wohnungsbau hinzu, 2013 verliert er den Umweltschutz, gewinnt dafür den Sport, in diesem Jahr gibt er den Tiefbau ab.

Noch ein halbes Jahr bleibt er, bevor im Januar sein Nachfolger, aller Wahrscheinlichkeit nach Ralf Eisenhauer, übernimmt – bald mit neuem Technischen Rathaus auf dem Lindenhof.

Auf ihn selbst wartet sein Häuschen auf der Rheinau, mit mehr Zeit für Familie und Hobbys. Und natürlich wird der SV Waldhof-Fan, sobald dies wieder möglich ist, im Carl-Benz-Stadion sein – immerhin auch in seiner Amtszeit gebaut.

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