Mannheim

Verwaltung Christian Hübel, Leiter des Fachbereichs Demokratie und Strategie, probiert mit seinem Team diverse Formate aus, um Bewohner an Stadtentwicklung teilhaben zu lassen

„Der Ton in politischen Gesprächen muss sich ändern“

Archivartikel

Mit den Ergebnissen der Studie „Mannheimer Stadtgespräch“ setzt sich auch Christian Hübel, Leiter des Fachbereichs Demokratie und Strategie bei der Stadtverwaltung, auseinander.

Herr Hübel, welches Ergebnis hat Sie besonders überrascht?

Hübel: Ich will nicht sagen überrascht, sondern leider bestätigt – und trotzdem wieder geschockt: der negative Tenor in politischen Gesprächen. Fast drei Viertel der Befragten haben den Ton darin als „sehr oder eher negativ“ beschrieben. Das führt dazu, dass Menschen sich von Politik abwenden. Da muss sich etwas ändern – und da sind auch wir als Stadtverwaltung in der Pflicht.

Nun ist herausgekommen, dass zwar viele an Bürgerbeteiligungsformaten interessiert sind, aber nur wenige wirklich mitmachen. Warum können Sie die anderen nicht abholen?

Hübel: Wenn wir das wüssten, hätten wir es längst geändert. Wir probieren vieles aus: etwa die Bürgersprechstunde beim Oberbürgermeister oder Veranstaltungen, zu denen Mannheimer eingeladen werden, die per Los dazu ausgewählt wurden.

Die schreibt die Verwaltung gezielt an und lädt sie ein?

Hübel: Genau. Davon erhoffen wir uns, auch Mannheimer zu Wort kommen zu lassen, die sonst vielleicht aus unterschiedlichen Gründen nicht zu den Veranstaltungen kommen würden. Außerdem Bürger zusammenzubringen, die im Alltag kaum Berührungspunkte haben. Und es gibt bereits weitere Ideen, wir wollen etwa sogenannte CityLabs starten, bei denen Stadtentwicklungsprojekte beispielsweise mithilfe von 3D-Modellen erläutert werden. Wir müssen herausfinden, welche Formate funktionieren, welche nicht – und woran das liegt.

Weit weniger gut als erhofft funktioniert bislang „Mannheim gemeinsam gestalten“, das Portal für Bürgerbeteiligung, das im Frühjahr 2018 online gegangen ist.

Hübel: Da ist in der Tat noch Luft nach oben. Mit circa 300 angemeldeten Bürgerinnen und Bürgern ist die Resonanz noch nicht zufriedenstellend. Das haben wir uns anders vorgestellt. Aber es kann jetzt nicht damit getan sein, dass wir sagen: Wir machen die Angebote, aber sie werden halt nicht angenommen.

Sondern?

Hübel: Wir müssen das hinterfragen: Liegt es an der Registrierungspflicht? Oder sollten wir noch einmal rausgehen und in der Stadt mit Aktionen auf die Plattform aufmerksam machen? Natürlich stellen wir uns diese Fragen. Bei den Einladungen übers Losverfahren sind beispielsweise maximal zwölf Prozent der angeschriebenen Bürger gekommen. Im Vergleich mit anderen Städten ist das zwar gut. Aber wir möchten schon gerne wissen, warum der Großteil absagt. Wenn es etwa daran liegt, dass sich jemand nicht traut, sich vor Fremden zu politischen Themen zu äußern, dann brauchen wir andere Formate wie digitale Abstimmungsmöglichkeiten.

Alles in allem sind die Mannheimer der Studie zufolge in ihrer Stadt recht glücklich.

Hübel: Die hohe Zufriedenheit freut uns natürlich sehr. Auch das hohe Zugehörigkeitsgefühl zur Stadt ist ein Pfund, mit dem wir sehr gut arbeiten können. Politik spielt dabei ja durchaus eine Rolle – denn sie bestimmt das Zusammenleben. 

Das Interview wurde telefonisch geführt und dem Gesprächspartner vor Veröffentlichung zur Autorisierung vorgelegt.

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