Mannheim

Der Ton wird schärfer

Archivartikel

Eklat im Gottesdienst: „Raus hier, hier habt ihr nichts zu suchen“ – so lautete diese Woche eine Überschrift in der Süddeutschen Zeitung zu einem weiteren Kapitel in der Auseinandersetzung zwischen katholischen Frauenverbänden und Vertretern der Amtskirche. In der Zwischenzeit sind Meldungen dieser Art fast zur Tagesordnung geworden, ob auf der Ebene der Diözesen oder eben vor Ort in den Pfarreien. Auch bei Kirchens haben sich Ton und Umgang miteinander verschärft, die Atmosphäre wird immer gereizter. Die Salonfähigkeit, die dieser Umgang in der Zwischenzeit bekommen hat, gibt sehr zu denken und sie macht vor offensichtlich niemandem mehr Halt.

Sich auseinanderzusetzen gehört zum Zusammenleben in Familien, Gemeinschaften, der Gesellschaft und der Staatengemeinschaft. Oft geht und muss es um schwerwiegende und damit kontrovers diskutierte Dinge gehen. Da wird gerungen und mit harten Bandagen gekämpft. Ob eine solche Auseinandersetzung dann zielführend ist und mit einem Ergebnis endet, dass die beteiligten Parteien annehmen können, hängt wohl vor allem von der Art und Weise sowie der inneren Haltung ab, in der sie geführt wird.

Bei einer gemütlichen Gartenfeier neulich habe ich auffallend oft diese Sätze gehört, die wir sicher selber auch schon gesagt oder wahrgenommen haben: Darf ich fertig reden? Lass mich bitte meinen Satz zu Ende sagen. Oder: Darf ich auch mal was sagen? Das gute Maß zwischen sprechen und zuhören scheint uns doch immer wieder zu entgleiten. Alles muss schnell gehen, auch die Kommunikation, ob mündlich oder schriftlich, analog oder digital. In Ruhe und überlegt agieren, am besten noch eine Nacht drüber schlafen, würde wohl mancher Auseinandersetzung guttun. Denn der Ton macht eben die Musik. Mich macht in der Zwischenzeit dieser zunehmend scharfe und teilweise unbarmherzige Umgang miteinander mürbe und oft sprachlos, denn er macht auch vor Gemeinden und der Kirche nicht Halt.

Ausatmen und drüber schlafen

Ich würde mir wünschen, dass wir uns wieder mit mehr Respekt und auf Augenhöhe begegnen, wir uns gegenseitig mehr zuhören mit der ehrlichen Bereitschaft, den anderen verstehen zu wollen. Ich würde mir wünschen, dass wir konstruktiv und wertschätzend miteinander umgehen und uns zunächst mal gute Absichten unterstellen. Ich würde mir wünschen, dass es uns wieder mehr gelingt, auch bei schwierigen Themen und persönlicher Betroffenheit überlegt und möglichst ruhig miteinander zu reden. Ich würde mir wünschen, dass wir nicht immer nur bis zu unserem eigenen kleinen Tellerrand schauen, sondern darüber hinaus und weiter. Und ich würde mir wünschen, dass wir uns immer wieder auch mit einem Augenzwinkern ans Diskutieren machen. Denn oft genug geht es ja doch nur um Kleinigkeiten. Dann haben wir eine Chance, gemeinsam gute Lösungen zu finden und zu entwickeln.

Ob wir dazu lieber einmal mehr bewusst ausatmen, bevor wir antworten. Oder eben eine komplette Nacht drüber schlafen, bevor wir eine E-Mail oder eine WhatsApp-Nachricht abschicken. Vermutlich bringt uns in vielen kleinen Situationen schon ein offener freundlicher Blick oder ein ehrliches Lächeln weiter.

Barbara Heimes, Katholische Gemeindereferentin der Seelsorgeeinheit Johannes XXIII. in Mannheim

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