Mannheim

Waldbrandgefahr Stadt verbietet alle Feuerstellen im öffentlichen Raum wie etwa auf der Neckarwiese und kündigt Kontrollen an / Für Brände gut gerüstet

„Derzeit einen Grill anzuwerfen wäre sträflich“

Archivartikel

Es werden nicht nur Hinweisschilder aufgestellt: „Der Ordnungsdienst wird kontrollieren!“, kündigte die Stadt ausdrücklich an. Sie hat wegen der heißen Temperaturen und sehr trockenen Witterung ein komplettes Grillverbot verhängt.

Galt das zunächst nur für alle Grillplätze und Feuerstellen in den Mannheimer Wäldern, wurde es dann auf das Strandbad und schließlich auf den gesamten „öffentlichen Raum im Stadtgebiet“ ausgedehnt. Damit darf es auch am Vogelstangsee, am Neckarufer oder anderen beliebten Treffpunkten zunächst keine gebratenen Würstchen oder Steaks geben – nur auf dem Balkon oder im privaten Garten, sofern nicht andere Personen gefährdet werden.

Laut der Polizeiverordnung der Stadt greift die Vorschrift, sobald eine Waldbrandgefahrenstufe 4 oder höher besteht. Die ist längst erreicht, am Wochenende wird die höchste Stufe 5 erwartet. Das Grillverbot gilt so lange, bis die Gefahrenbrandstufe wieder niedriger ist.

Alles ausgetrocknet

„Eine absolut richtige Entscheidung“, findet Klaus Sieber, Diplom-Forstingenieur und Wachleiter Nord der Mannheimer Berufsfeuerwehr. „Derzeit einen Grill anzuwerfen, wäre sträflich – es ist alles so trocken. Ein Funkenflug reicht aus, und es brennt: Wälder, Wiesen, Büsche, alles!“, warnt er. Wenn die Nächte genauso warm wie die Tage seien und es nicht abkühle, bilde sich kein Tau und es steige das Risiko, dass durch den geringsten Auslöser das ausgetrocknete Holz in Flammen aufgehe. Die größte Gefahr für Wald- und Flächenbrände stelle „einfach immer noch der Mensch dar“, so Sieber.

Die Feuerwehr sieht er aber „gut gerüstet“. Um auf die erhöhte Waldbrandgefahr zu reagieren, hat die Feuerwehr einen sonst in der Reservehalle stehenden, 2008 angeschafften Abrollbehälter mit einem 8000-Liter-Tank bereits auf einen Lkw verladen. Er steht startklar auf der Wache. Zudem sind bei den Abteilungen Nord, Feudenheim und Rheinau der Freiwilligen Feuerwehr jeweils geländegängige Tanklöschfahrzeuge mit 3000 Litern Wasser stationiert – ergänzend zu den Groß-Tanklöschfahrzeugen der Berufsfeuerwehr (je 4000 Liter) auf den Wachen Nord und Süd.

Wasserleitung im Wald

Schon nach der Waldbrand-Katastrophe vom 1976 waren im Käfertaler Wald Leitungen mit rund 20 Wasser-Entnahmestellen verlegt worden. 2008 hat Mannheim jedes Hilfeleistungs-Löschfahrzeug mit „Waldbrandpatschen“, mit denen man auf Glutnester schlägt, sowie Wiedehopfhauen, um zu in der Humusschicht verborgener Glut vorzudringen ausgerüstet.

Man werde wegen der zunehmend heißen Sommer aber „das Einsatzkonzept noch verfeinern“, kündigt Sieber an. Die Freiwillige Feuerwehr Feudenheim solle die Spezialaufgabe „Waldbrandbekämpfung“ übertragen bekommen, dazu speziell geschult und weiter ausgestattet werden. Er denkt etwa an kleine Tanks, die wie Rucksäcke geschultert werden können, um Glut im Unterholz gezielt zu bekämpfen.

Hilfreich sei auch, dass der Arbeiter-Samariter-Bund nun über eine Drohne verfüge. „Da werden wir bei Alarm mit Sicherheit darauf zurückgreifen, um schnell ein Lagebild von oben zu bekommen“, so Sieber.

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